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6 Juli
 
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Wenn der Pionier abtritt ... und der Junior antritt!

 
Einen Betrieb zu übernehmen ist eine große Ehre, aber auch eine große Verpflichtung! Es sollte nicht ein Gefallen sein, den die Junioren den Eltern machen, wenn sie den Betrieb übernehmen, sondern eine gut überlegte Entscheidung, die sowohl persönliche Wünsche, Ziele und Visionen als auch betriebswirtschaftliche Aspekte berücksichtigt.

Während im Artikel „Wenn der Pionier abtritt ...“ speziell die Betriebsübergabe aus der Sicht der Senioren/Pioniere durchleuchtet wurde, sollen nachfolgend die Problematiken der Übernehmer im Blickpunkt stehen.

Der bequemste Weg
Man ist als Sohn/Tochter sozusagen in den Betrieb „hineingeboren“ worden, hat schon fast immer mehr oder weniger mitgeholfen und die Freuden und Probleme des Betriebes kennengelernt. Nach einer soliden Ausbildung wird der Einstieg in den elterlichen Betrieb als selbstverständlich und oft auch als der bequemste Weg gesehen. Schon in jungen Jahren – ohne sich anderswo beweisen zu müssen – ist man Juniorchef (Führung wird in Familienbetrieben vererbt, nicht erarbeitet!!), es bezahlt der Betrieb, Prestige und Macht tun ihr Übriges, dass Junioren sich oft selbst überschätzen, was sich später dann leider meist rächt! Zudem ist es oft so, dass Junioren „sanft gezwungen“ werden, den Betrieb zu übernehmen. Die Eltern glauben zu wissen, was für ihre Kinder gut ist und programmieren die Zukunft der Kinder vor („Natürlich nur, weil sie das Beste für ihre Kinder wollen!“). Die Kinder haben dann oft keine andere Wahl bzw. nicht die Kraft oder den Mut „Nein“ zu sagen.

Tipp von Kohl & Partner:
  • Wichtig ist, dass sich die Jungunternehmer die Fragen stellen, ob überhaupt und warum sie den Betrieb übernehmen wollen. Ist der persönliche Wille vorhanden und spürt man auch eine gewisse Berufung, dieses Erbe anzutreten? Oder sind es „familiäre Zwänge“ (Weiterführung der Tradition, Angst die Eltern zu enttäuschen u.Ä.) oder nur die einfachste und bequemste Alternative, die dazu führt, in die Fußstapfen der Eltern zu treten. Eine ehrliche Reflexion der Beweggründe ist für die Übernahme unbedingt erforderlich!

Überqualifizierte Erben
Die Eltern wollen den Kindern die beste Ausbildung zukommen lassen und das ist auch gut so! Als Magister, Diplomkaufmann oder Wirtschaftsdoktor hat man die modernen Managementtechniken kennen gelernt und möchte diese natürlich auch anwenden. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden! Nur, der Erfolg eines 50- bis 70-Betten-Betriebes ist eng mit dem direkten Engagement des Unternehmers verknüpft, der nicht nur führen, sondern auch selbst Hand anlegen muss, sei es als Barmann, als Koch oder Hausmeister. „Als Magister und Chef des Hauses habe ich kürzlich Koffer tragen geholfen ... und 1 Euro Trinkgeld erhalten!“ So die Aussage eines Zillertaler Junghoteliers, der noch dazufügt: „Vieles vom Studium kannst du in unserem kleinen Betrieb nicht anwenden, aber das macht nichts – das Studium hat mir geholfen, meine Persönlichkeit weiterzuentwickeln! Wichtig ist, dass du die Bescheidenheit und Demut aufbringst, auf die Notwendigkeiten unserer kleinstrukturierten Betriebe einzugehen, d.h. aber nicht, dass nicht auch in kleinen Betrieben gewisse Managementtechniken eingesetzt können und sollen!“

Tipp von Kohl & Partner:
  • Jeder – auch der kleinste – Betrieb braucht Führung, ein Basiswissen über Human-Ressource, über Management bei Objectives u.Ä.. Aber kleine Betriebe können sich einen Vollzeit-Manager nicht leisten! Neben strategischen Aufgaben – die zunehmend auch in Kleinbetrieben wichtiger werden – müssen Übernehmer im Betrieb auch operativ mithelfen. Dieser Tatsache muss sich jeder Übernehmer von Kleinbetrieben bewusst sein. Insofern sollte jeder Jungunternehmer gemeinsam mit den Eltern einen Kompetenzentwicklungsplan erarbeiten, der sowohl eine fundierte schulische bzw. universitäre Ausbildung beinhaltet als auch Fachseminare und Praktika in anderen Betrieben.

Die betriebswirtschaftliche Situation richtig einschätzen
„Wenn wir das so machen, wie die Eltern es gemacht haben, wird es schon gut gehen!“, so die Antwort eines Übernehmers auf die Frage, ob er die finanzielle Situation des Betriebes kennt. In vielen Familienbetrieben sind finanzielle Angelegenheiten die Aufgabe des „Seniors“, dem man blind vertraut. „Der Papa, wird’s schon richten ..., dass wir den Verpflichtungen ordnungsgemäß nachkommen, dass die weichenden Geschwister ausbezahlt werden, dass die Eltern eine Leibrente bekommen etc.!“ Es ist immer wieder verwunderlich, wie viele Jungunternehmer – trotz einer guten Ausbildung – von einer professionellen betriebswirtschaftlichen Betriebsführung keine Ahnung haben! Da konzentrieren sie sich auf die Analyse von 100 Kennzahlen (weil man mit dem Computer gut umgehen kann), die als Führungs- und Entscheidungsinstrument aber ungeeignet sind.

Tipp von Kohl & Partner:
  • Es ist wichtig, die betriebswirtschaftliche Situation eines Betriebes genau zu analysieren und richtig einzuschätzen. Kann der Betrieb auch unter Berücksichtigung der zusätzlichen Belastungen, die durch die Betriebsübergabe entstehen (Leibrentenzahlungen, Auszahlung, Steuern etc.) überleben bzw. sich positiv weiterentwickeln? Kenne ich die wesentlichen Daten, die ausschlaggebend sind, um den Betrieb betriebswirtschaftlich steuern zu können?

Persönliche Zielsetzungen
Mit Argumenten wie: „Das habe ich 30 Jahre lang so erfolgreich getan, du brauchst es nur gleich zu tun!“ werden einerseits Strategien und Strukturen gerechtfertigt – die oft nicht mehr marktfähig sind – und andererseits wird das Nachdenken über die betriebliche Zukunft untergraben.

Tipp von Kohl & Partner:
Jeder Übernehmer muss sich seiner eigenen Visionen, Ziele und Vorstellungen bewusst sein! Folgende Fragen können diesbezüglich hilfreich sein:
  • Welche Ziele möchte ich mit dem Betrieb verfolgen? Wie soll „mein Betrieb“ in 10 – 15 Jahren ausschauen?
  • Was möchte ich im Betrieb so belassen, wie es meine Eltern gemacht haben, was möchte ich verbessern und was möchte ich grundlegend anders machen? Hierbei geht es nicht nur um formelle Punkte, wie z.B. das Organigramm, sondern vor allem auch um ungeschriebene Gesetze und Werte, die heimlichen Spielregeln, das Betriebsklima und den Führungsstil.
  • Wie werde ich mit den „neuen“ Belastungen umgehen?
  • Ist die eigene Familie in die Entscheidungsfindung eingebunden und ist sie damit auch einverstanden?

Wichtige Fragestellungen
Zusammenfassend noch einige Fragen an die Übernehmer, die es einerseits ehrlich zu beantworten gilt und aus denen andererseits entsprechende Konsequenzen abgeleitet werden sollten.
  • Will ich den Betrieb überhaupt - was wären eventuelle Alternativen?
  • Worin liegen meine Stärken, die gegebenenfalls noch ausgebaut werden sollten?
  • Habe ich genügend Fachwissen, Branchenerfahrung und betriebswirtschaftliche Kenntnisse?
  • Ist der Betrieb konzeptionell und finanziell zukunftsfähig?
  • Habe ich einen Plan, wie sich das Unternehmen weiterentwickeln soll?
  • Habe ich die Kraft, Mitarbeiter zu führen und zu motivieren
  • Gibt es klare Verhältnisse/Regeln mit den Senioren bzw. den weichenden Geschwistern?
  • Brauche bzw. wünsche ich mir eine Begleitung (Berater, Coach) vor, während und nach der Übergabe? 

Entscheidend für eine erfolgreiche Betriebsübernahme ist einerseits eine wertschätzende Haltung der Betriebsnachfolger den Eltern gegenüber, für das Geleistete und andererseits Vertrauen, Toleranz und Großzügigkeit der Eltern den Nachfolgern gegenüber!



Für Rückfragen steht gerne zur Verfügung:

Alois Kronbichler
suedtirol@kohl.at
 
 
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