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19 Juni
 
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Tourismusverband Fusionen: Segen oder Übel?

Der Trend zu größeren räumlichen Formationen im Tourismus, die gemeinsam gemanagt werden, ist nun schon seit einiger Zeit zu beobachten. So haben sich in den vergangenen zehn Jahren viele touristische Organisationen im gesamten deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz, Südtirol) dazu entschieden, einen Fusionierungsprozess einzuleiten und somit als größere Einheit gemeinsam an der Weiterentwicklung und an der Steigerung der Bekanntheit der eigenen Destination zu arbeiten. Ein Vorhaben, das in den wenigsten Fällen aus der Not, sondern vielmehr mit Blick in die Zukunft geboren wird. Die komplexen Anforderungen und auch neue Aufgaben an eine Destination Management Organisation (DMO) werden zum Teil nur größere Einheiten professionell schaffen.
Tourismusverband Fusionen: Segen oder Übel?
 
 
Wie groß ist dann der Raum für eine DMO, als „Radius des Gästenutzens“, als „Grenze für die Identität“ und als „maximale Entfernung“, in der Leistungsträger gewillt sind, sich zu Abstimmungen/Workshops etc. in der touristischen Organisation zu treffen?

Die Ziele einer touristischen Fusion können von Region zu Region unterschiedlich sein. Oftmals überwiegen einzelwirtschaftliche Intentionen und der Wunsch, am Markt konkurrenzfähig zu bleiben. Zusätzlich können der Aufbau von effizienten Managementstrukturen sowie die Optimierung aller Aufgabenfelder und Arbeitsabläufe ein maßgeblicher Grund sein. Ebenso wollen die Verantwortlichen die Kräfte in allen Bereichen bündeln und damit ihre Möglichkeiten in der Produktentwicklung, der Marktbearbeitung und der Betreuung der Gäste vor Ort erweitern.

Der Prozess zur Fusionierung von touristischen Organisationen ist sehr komplex und die Weiterentwicklung der touristischen Destination kann mit einer Reihe von Herausforderungen für die beteiligten Personen verbunden sein. Aus diesem Grund, macht es Sinn, neutrale, externe Prozessbegleiter einzubinden und deren fachliche Impulse und Erfahrungen zu nutzen.

Eine aktuelle Studie von Kohl & Partner zum Thema „Tourismusverband Fusionen – Segen oder Übel?“ hat jedoch ergeben, dass schlussendlich die positiven Effekte bei einem Zusammenschluss von mehreren Tourismusverbänden überwiegen. 

Wesentliche Kriterien zur Beurteilung des Nutzens
Jede Region hat eine andere Ausgangssituation und die positive Entwicklung einer Fusion hängt sehr stark von den einzelnen Orten und deren Vertretern ab. Aus diesem Grund sollten Tourismusverbände, die vor der Entscheidung einer Fusion stehen, folgende wesentliche Kriterien zur Beurteilung des Nutzens von Zusammenschlüssen touristischer Organisationen genau analysieren:

Strategischer Wert:
Die gemeinsame Identität der Destinationen ist wichtig („Passen wir zusammen?“ „Identifizieren sich die Menschen vor Ort mit dem gemeinsamen Lebensraum?“ „Entsteht aus Sicht der Gäste ein stimmiger Erlebnisraum?“). Um die Wiedererkennung und einheitliche Wahrnehmung einer Marke nach außen hin zu garantieren, brauchen die vor einer Fusion stehenden Destinationen eine gemeinsame Klammer. Das heißt, die Angebote und Kernversprechen für den Gast sollten sich im Idealfall ergänzen und einen entsprechenden Mehrwert darstellen. Nur so kann eine Bündelung der Kräfte stattfinden und nach der Fusion ein stärkeres Miteinander herrschen.

Gäste- und Marktbezogene Kriterien:
Da bei Zusammenschlüssen von Tourismusverbänden die Gästesicht stark im Fokus stehen sollte, spielen kunden- und marktbezogene Kriterien vor der Entscheidungsfindung für oder gegen eine Fusion eine zentrale Rolle. Daher sollten Fragen wie „Bringt die größere Einheit aus Gäste-Sicht einen Mehrwert?“ oder „Besteht für die Gäste ein entsprechender Nutzen?“ möglichst mit JA beantwortet werden können.

Mitarbeiter-/Team- & Strukturbezogene Kriterien:
Weitere Kriterien, die zur Weiterentwicklung des neuen Tourismusverbandes zu einer funktionierenden, marktorientierten Einheit beitragen können, beziehen sich auf die effizientere und effektivere Aufgabenverteilung innerhalb der größeren Einheit. In der Studie von Kohl & Partner wurde beispielsweise festgestellt, dass es in einigen Regionen nur durch die Fusion möglich wurde, die Tourist-Infos auch an den Wochenenden offen zu halten und die Tagesöffnungszeiten zu verlängern. Zudem konnte in einigen Tourismusverbänden eine zentrale Service-Hotline eingerichtet werden, wodurch nun nahezu alle eingehenden Telefonanfragen beantwortet werden können.

Regionalwirtschaftliche Kriterien:
Regionalwirtschaftlich gesehen führt eine Fusion oft dazu, dass durch die größere Einheit gemeinsame Projekte organisatorisch leichter, effizienter und effektiver umgesetzt werden können. Um auch von diesem positiven Nutzen eines Zusammenschlusses zu profitieren, müssen die verschiedenen Tourismusverbände über eine ähnliche bzw. ergänzende Produktpalette verfügen.

Einzelwirtschaftliche Kriterien:
Schlussendlich werden viele Fusions-Entscheidungen auch vor dem Hintergrund von größeren, verfügbaren Budgets und der geografisch größeren touristischen Destination getroffen. Dies führt in den meisten Fällen dazu, am Markt konkurrenzfähig zu bleiben. Die höheren Budgets setzen sich zum einen aus Einnahmen durch die Erhöhung und Vereinheitlichung der Ortstaxen (dies trifft insbesondere für Österreich zu) und zum anderen aus mehr Übernachtungen sowie sonstigen Einnahmen zusammen.

Zusammenfassend haben Fusionen das Potenzial, viele positive Effekte für eine Region hervorbringen. Neben einer allgemeinen Professionalisierung in den Verbänden, können Zusammenschlüsse vor allem bei komplexen Themen wie Mobilität, Direktvertrieb, Vermietercoaching und dem gemeinsamen Marketingauftritt hilfreich sein. Zudem ist es für große, professionell arbeitende Organisationen einfacher, bevorstehende Herausforderungen der Branche wie Mitarbeiterbindung, Saisonverlängerung, nachhaltiges Wirtschaften, verstärkte Tourismusgesinnung und Wertschöpfungssteigerung strategisch zu meistern.

Da jede Region jedoch eine andere Ausgangssituation hat, sollten sich die Verantwortlichen vor der Entscheidung für oder wider eine Fusionierung folgende Fragen stellen: Passen die einzelnen Orte der Region zusammen? Haben diese die gleichen strategischen Ziele, die gleiche Vision und vor allem auch ähnliche Zielgruppen? Lassen sich die unterschiedlichen Finanzierungsmodelle kombinieren?

Wenn alle diese Punkte im Bereich des Möglichen liegen, kann eine Fusion echte Mehrwerte für die Region, für die Leistungsträger und vor allem für die Einheimischen und Gäste bringen!

Haben Sie Interesse an den genauen Ergebnissen der Mini-Studie oder stehen Sie im Moment vor der Entscheidung einer Fusion? Dann senden Sie bitte eine E-Mail mit dem Betreff "TVB Fusionen" und Ihren Kontaktdaten an office@kohl.at
 
 
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