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15 März
 
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Reinigung und Hygiene in Beherbergungsbetrieben müssen umsetzbar und sinnhaft sein – neues Housekeeping-Netzwerk HKCC im Aufbau

Die Fachbuchautoren Maria Th. Radinger und Prof. Stefan Nungesser haben in den vergangenen Monaten bereits darauf hingewiesen, dass bei vielen Beherbergungsbetrieben noch Aufholbedarf bei der systematischen Reinigung besteht. Inzwischen hat sich durch die Covid-19-Krise vieles in den Betrieben getan: Doch vor dem Neustart sollten Maßnahmen gut durchdacht werden. Die beiden Experten geben Tipps und gründen mit dem Housekeeping Competence Circle eine neue Austauschplattform zur Vernetzung.
Reinigung und Hygiene in Beherbergungsbetrieben müssen umsetzbar und sinnhaft sein – neues Housekeeping-Netzwerk HKCC im Aufbau
 
 
Die Covid-19-Krise hat bei Beherbergungsbetrieben Sauberkeit und Hygiene in den Fokus gerückt. Dabei zeigte sich, dass nicht alle optimal aufgestellt sind. Es fehlte – und leider noch bis heute – in vielen Betrieben ein professionelles, umfassendes Reinigungssystem. Erst dann ist es möglich, darauf aufbauend weitere Bausteine zu integrieren, wie z.B. Hygienezertifizierungen, Reinigungs- und Desinfektionsgeräte oder Anpassungen im organisatorischen Ablauf. „Wir sehen, dass viele Angebote zum Thema Hygiene auf die Hotellerie einprasseln. Vieles ist gut, aber nicht alles macht operativ Sinn“, sagt die langjährig erfahrene Beraterin und Trainerin zum Thema Housekeeping Maria Th. Radinger. Daher plädiert sie gemeinsam mit Stefan Nungesser, Professor und Programmleiter für Hotel Management an der FH Kärnten, auf die Passung zum jeweiligen Betrieb, dessen Bedürfnissen, Abläufen und den personellen Gegebenheiten zu achten. „Das Housekeeping-Team ist verantwortlich für die systematische Reinigung, Pflege, Wartung und Erhaltung des wertvollsten und teuersten Produktes in einem Hotel – dem Zimmer für den Hotelgast, die öffentlichen Räume und Spa-Bereiche. Somit ist die Arbeit im Housekeeping von entscheidender Bedeutung für die Zufriedenheit und das Qualitätsempfinden der Gäste“, sagt Nungesser. Durch die Pandemie sind neue Anforderungen gekommen, die vom Housekeeping-Team zu bewältigen sind. Daher seien alle zusätzlichen Maßnahmen gut zu durchdenken.

4 Tipps für das Wiederöffnen von den Autoren des Fachbuchs „Erfolgsfaktor Zimmer & Etage“:

1. In allen Abteilungen ein Reinigungssystem gemäß HACCP-Farbleitsystem einführen
Das Herzstück eines professionellen Reinigungssystems in der Hotellerie orientiert sich an der Farbsystematik nach HACCP (Hazard Analysis and Critical Control Points / Gefahrenanalyse und kritische Kontrollpunkte), wie sie im Gesundheitssystem oder auch in Küchen schon lange angewendet wird. Nur so ist mit Sicherheit saubere und hygienische Arbeit abzuliefern.

2. Professionelles Arbeitsmaterial
Voraussetzung ist das Arbeiten mit entsprechenden durch Farben gekennzeichneten Arbeitsutensilien wie Eimer, Mikrofasertücher, Schwämme, Wischmopps und Reinigungsmittelflaschen. Bei der Bodenreinigung hilft das Top-down-Wischsystem (vorgetränkte Wischmopps) die Anforderungen bezüglich Hygiene und Zeiteffizienz nachhaltig abzudecken Neben den Bodenmopps können auch vorgetränkte Mikrofasertücher genutzt werden. Diese eignen sich – neben dem Housekeeping - auch für die anderen Abteilungen, wie z.B. Spa/Wellness, Service, Kinderbereiche und Rezeption. Die farblich abgestimmten Tücher können mit dem entsprechenden Desinfektionsmittel – mit der Reinigungsmittelfirma abklären – „vorgetränkt“ werden, damit man jederzeit gleichmäßig feuchte Tücher für die Reinigung von Oberflächen zur Verfügung hat.

3. Präventive Reinigungs- und Hygienemaßnahmen – Anpassen von Reinigungsplänen für kritische Berührungspunkte und öffentliche Bereiche
Die aktuelle Situation führt vor Augen, wie wichtig die regelmäßige Reinigung von kritischen Berührungspunkten/Touchpoints in den Betrieben ist, die es durch eine Begehung zuerst zu identifizieren gilt, um dann eine Anpassung der Reinigungszyklen zu veranlassen. Die Anpassung der Reinigungspläne sollte jetzt vorgenommen werden, so dass auch dafür notwendiges Arbeitsmaterial sowie Reinigungs- und Desinfektionsmittel rechtzeitig zur Wiedereröffnung und in ausreichender Menge zur Verfügung stehen.

4. Verstärkte Schulungsmaßnahmen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
Viele Reinigungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter sind Quereinsteiger in der Beherbergungsbranche und nicht mit dem HACCP-Farbleitsystem bzw. professionellen Reinigungssystemen vertraut. Daher müssen neue als auch bestehende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den angepassten Reinigungsaufgaben durch Schulungen vertraut gemacht werden.


Experteneinschätzung zu drei aktuellen Themen in der Hotellerie:

Einsatz von Trockendampfreinigern im Housekeeping
Die Hoteliers erhalten derzeit sehr viele Angebote von Anbietern für Trockendampfreinigern (Achtung: hier sind nicht die üblichen Dampfreiniger gemeint!). Hohe Temperaturen und weniger Einsatz von Reinigungsmitteln sind hier die Vorteile, aber auch recht hohe Anschaffungskosten. Sie sind unserer Meinung kein vollwertiger Ersatz für die Reinigung nach dem HACCP-Farbleitsystem, aber eine gute Ergänzung, z.B. bei der Zwischen- und Grundreinigungsarbeiten. Als Ersatz dafür müssten alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einem Gerät ausgestattet und entsprechend eingeschult werden. Die Handhabung im täglichen Reinigungsprozess wird zudem erschwert. Daher sehen wir die Geräte als sinnvolle Ergänzung in der Reinigung.

Green Choice – Prüfung der Umsetzung angeraten
Schon vor der Pandemie sind viele Betriebe dazu übergegangen, den Gästen anzubieten, auf die tägliche Zimmerreinigung zu verzichten. Damit würde ein Beitrag zur Nachhaltigkeit geleistet, da Reinigungs- und Waschmittel eingespart werden können. Die Gäste erhalten dafür Gutscheine für ein Getränk oder ähnliches, da die Zimmerreinigung ja eingepreist ist und so sich die Gäste etwas ersparen. Diese mittlerweile häufig als „Green Choice“ genannte Regelung sollte gut durchdacht sein, denn in der Praxis zeigt sich oft, dass der Verzicht der täglichen Reinigung bei Abreise der Gäste zu einem deutlichen Mehraufwand für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führt. Solange die Pandemie noch nicht im Griff ist, sehen wir auch aus hygienischen Gründen den Verzicht als kritisch an. Und: viele können die Kosten der täglichen Reinigung oftmals nicht genau kalkulieren, aber vergeben Getränkegutscheine mit einem bestimmten Wert. Diese Argumente gilt es sorgfältig zu berücksichtigen, auch wenn der „Green Choice“ als Nachhaltigkeitsargument bei den Gästen meist gut ankommt.

Hygienezertifizierungen - Hygienesiegel
Betriebe können sich hinsichtlich der Hygiene und eines umfassenden Hygienekonzepts schulen und zertifizieren lassen. Hier gibt es mittlerweile sehr viele Angebote. Dies kann zielführend sein, um den Gästen gegenüber zu dokumentieren, wie wichtig der Betrieb die Anstrengungen in diesem Bereich nimmt. Dafür sollte unserer Überzeugung nach jedoch die Basis stimmen, die wir im Kern in der Reinigung nach dem HACCP-Farbleitsystem sehen. Darauf aufbauend eine Hygienezertifizierung mit klaren Verantwortlichkeiten, Dokumentationen etc. zu implementieren, kann für bestimmte Betriebe Sinn machen. Eine einfache und kommunikativ wirksame Ergänzung, um den Gästen ein sicheres Gefühl zu geben, stellen Hygienesiegel dar. Diese können nach erfolgter Zimmerreinigung an der Tür angebracht werden. Über die „Die Gastgeberinnen“ (www.diegastgeberinnen.at) können solche Siegel bestellt werden.


Gründung des Housekeeping Competence Circle (HKCC) zum Lern- und Erfahrungsaustausch

Zur Diskussion aktueller Herausforderungen sowie zum Erfahrungs- und Wissensaustausch von Housekeeping Manager*innen, Hausdamen und Gastgeber*innen startet der Housekeeping Competence Circle (HKCC) demnächst seine Aktivitäten (www.housekeeping-competence-circle.com). Ein Kernelement wird die HKCC-ERFA-Gruppe sein, die sich monatlich online treffen und auf Augenhöhe aktuelle Themen bespricht. Der erste ERFA-Termin findet am Dienstag, den 23. März 2021 zwischen 14 und 15.30 Uhr über zoom statt. Die Anmeldung dazu ist ab sofort per E-Mail an mtr@mariaradinger.at möglich.

Rückfragen an:

FH Kärnten
FH-Prof. Dipl.-Betrw. (FH) Stefan Nungesser
Programmleitung & Professur für Hotel Management
T: +43 (0)676 7750176
E: s.nungesser@fh-kaernten.at

Mag. Maria Th. Radinger, CMC
Unternehmensberaterin & Wirtschaftstrainerin, Hoteltrainings & Housekeeping-Beratung
T: +43 (0)664 1608641
E: mtr@mariaradinger.at
 
 
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