Wir verwenden Cookies für die beste Nutzererfahrung. Es werden Cookies von Dritten eingesetzt, um Ihnen personalisierte Werbung anzuzeigen. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie der Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät zu. Informationen zu Cookies und ihrer Deaktivierung finden Sie hier.
 
 
1 Mai
 
Drucken

„Overtourism“ - Annehmbare Herausforderung für die Destination

Das Thema ist kein Neues. Bereits in den 80er und 90er Jahren unter den Arbeitstiteln „sanfter Tourismus“, „nachhaltiger Tourismus“ und „touristische Tragfähigkeit“ erörtert, wird es nun als „Overtourism“ medial erneut aufgegriffen. Doch was sind denn nun die Facetten des sogenannten Massentourismus? Und was sind mögliche Lösungsansätze zur Entlastung einer Destination, einer Erlebniswelt oder eines Freizeitbetriebes?
 
Erfolgsgeschichte Tourismus – Belastung Massentourismus
Präsent sind in den Medien vor allem internationale Destinationen. In Barcelona, Dubrovnik oder Venedig sind die Belastungsgrenzen erreicht. Einheimische artikulieren lautstark ihren Protest. Doch auch in Österreich sind erste Tendenzen hin zur Überlastung spürbar. Die Salzburger Getreidegasse, die Innsbrucker Maria-Theresien-Straße und das historische Zentrum in Hallstatt seien stellvertretend genannt - ganz zu schweigen von Anreisetagen in die zahlreichen Skigebiete und den dortigen Frequenzen.

Aus Marktentwicklungen, Praktikererfahrungen und Studien können vorweg drei Thesen abgeleitet werden:

  1. Massentouristische Phänomene sind hauptsächlich an Hotspots feststellbar. D.h. primär konzentriert an attraktiven Punkten der Destinationen und/oder an „Hubs“ des Reiseverkehrs. 
  2. Saisonen bzw. zeitliche Faktoren spielen eine Rolle. So bspw. Ferienzeiten, Wochenenden, saisonale Höhepunkte wie die Festspielzeit in Salzburg oder Silvester in den Skigebieten.
  3. Die grundsätzlichen Tendenzen werden aktuell durch globale Trends noch verstärkt. Angebotsseitig können low-cost-travelling-Angebote, peer-to-peer-Beherbergung, wie airbnb, oder der Wegfall von Reise-Hemmnissen, so in Ost-Asien, als Treiber identifiziert werden. Nachfrageseitig wird die Entwicklung durch Digitalisierung und einhergehende Flexibilität, auf Hot-spots beschränkte internationale Nachfrage und das Wachstum der asiatischen Mittelklasse beschleunigt. 
Facetten des Massentourismus
Die Besonderheit der Tourismus-Industrie liegt seit jeher in der Wertschöpfung im öffentlichen Raum. Darin verbirgt sich jedoch auch die Gefahr eines Ungleichgewichts zwischen privaten Gewinnen und öffentlichen Verlusten, sprich Interessensgruppen, die zwar vom Tourismus nicht profitieren, trotzdem aber dessen negative Auswirkungen spüren. Diese unterschiedlichen Sichtweisen sollen über die touristische Tragfähigkeit der Region beleuchtet werden. Die wichtigsten Blickwinkel dabei: lokale Bevölkerung, Gast, Infrastruktur, Natur und Kultur (im Overtourism Analyse-Tool von Kohl & Partner als Eckpfeiler dargestellt).


Abbildung 1: Belastung der Destinations-Tragfähigkeit © Kohl & Partner GmbH

Die Belastung kann dabei konkret durch die Betrachtung verschiedener Indikatoren geschätzt werden. So beispielsweise im Bezug auf
  • die Beeinträchtigung der Lebensqualität Einheimischer anhand Tourismus-Intensität und –Dichte,
  • die Beeinträchtigung für das Urlaubserlebnis des Gastes anhand von Reviews, Ratings und Rankings,
  • die Belastung der Infrastruktur anhand von Monitoring der Saisonalitäten und Konzentration der Besucherströme,
  • die Belastung der Natur anhand von Luft- und Umweltverschmutzungswerten
  • und den sozio-kulturellen Druck anhand des Wachstums der Besucherankünfte und Umfragewerten in der lokalen Bevölkerung.

Je größer die Fläche des so ermittelten gestrichelten Belastungsbereichs, desto höher fallen die öffentlichen Verluste aus, desto größer das Missmanagement und die Gefährdung der Destination.

Lösungsansätze
Proaktives Agieren, strategische Planung und aktives Management sind in Destinationen damit wichtiger denn je. Zentral sollte immer die Frage sein, welche Ausprägung von Tourismus angestrebt wird. Welcher Gast soll angesprochen werden? Was ist ein Qualitätsgast? Information ist dabei die Basis einer aufbauenden erfolgreichen Begegnung der Destination mit Overtourism. So können über Monitoring und Tracking Tools die Stellschrauben klar identifiziert und zielführend angegangen werden, um die Destination zu entlasten.


Abbildung 2: Entlastung der Destinations-Tragfähigkeit © Kohl & Partner GmbH

Konkrete mögliche Ansätze zur Entlastung durch quantitative, zeitliche oder räumliche Steuerung bilden dabei:
  • Visitor Management und Besucherlenkung über Beschilderung, Besucherinformation (von der Webseite bis zu elektronischen Hinweistafeln, Broschüren etc.) sowie optimierte Infrastruktur zur Entschärfung von Engpässen
  • Differenzierte Preispolitik
  • Regulierung des Angebots an Anbietern wie Unterkünften oder Zubringern im Rahmen der Destinationsstrategie
  • Klare Besucher-Limits – zielführend sind vor allem Beschränkungen bereits im Rahmen der Buchung. Verschlossene Türen belasten dagegen das Urlaubserlebnis des Gastes
  • Förderung der Tourismusgesinnung und Lebensqualität bspw. durch gemeinsames Erarbeiten eines Lebensraumkonzepts unter Einbindung der Einheimischen

Die Touristische Organisation muss sich dabei von einer Marketing-Organisation zur (Lebensraum-)Management-Organisation entwickeln. Sie nimmt die Führungsrolle im Tourismus ein und betreibt aktives Netzwerk- und Dialog-Management.

Weitere spannende Inhalte und Vorträge zum Thema finden Sie bei der Veranstaltung Kohl & Partner im Gespräch zum Thema "Tourismusgesinnung Quo Vadis? – Störfaktor Gast oder mehr Wertschöpfung durch intelligente Besucherkonzepte?", die am Donnerstag, den 24. Mai 2018, um 14:00 Uhr im Kulturzentrum Hallstatt stattfindet. Gerne können Sie sich hier mit einer kurzen E-Mail direkt bei der Veranstaltung anmelden: 

Ja, ich komme gerne
Ja, ich komme gerne mit Begleitung
 
 
 Zurück zum Magazin 
 
Drucken