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5 Dezember
 
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„Overtourism“ – An den Grenzen der Gastfreundschaft?

Den Begriff „Overtourism“ gibt es offiziell erst seit 3 Jahren, das Thema ist jedoch kein neues. Bereits in den 80er und 90er Jahren sprach man unter den Arbeitstiteln „sanfter Tourismus“, „nachhaltiger Tourismus“ und „touristische Tragfähigkeit“ darüber, wie viel Tourismus ein Zuviel an Tourismus bedeutet. Damit gemeint sind die exzessiven Folgen – sowohl für Einheimische als auch Gäste – welche ein überbordender Tourismus mit sich bringt. In den Medien findet das Thema starke Präsenz, vor allem in internationalen Destinationen. In Barcelona, Dubrovnik oder Venedig sind die Belastungsgrenzen erreicht, Einheimische artikulieren lautstark ihren Protest. Doch auch in Österreich werden erste Tendenzen hin zur Überlastung spürbar. Die Salzburger Getreidegasse, die Innsbrucker Maria-Theresien-Straße und das historische Zentrum von Hallstatt seien hier stellvertretend genannt. Ganz zu schweigen von den An- und Abreisetagen in den zahlreichen Skigebieten und den daraus entstehenden Frequenzen.
„Overtourism“ – An den Grenzen der Gastfreundschaft?
 
 
Ein aktueller Beitrag im „Österreich Bild“ aus dem Landesstudio des ORF Salzburg greift das Thema nun auf – insbesondere im Hinblick auf die Situation in den Altstädten von Salzburg und Hallstatt. Genaue Zählungen stehen nicht zur Verfügung, aktuelle Schätzungen gehen jedoch von mehr als sechs Millionen Tagesbesuchern pro Jahr in Salzburg und rund einer Million jährlichen Ausflugsgästen in Hallstatt aus. Gerade dann, wenn eine solche Zahl an Menschen auf relativ beengtem Raum aufeinandertrifft – wie es etwa in der Salzburger Getreidegasse oder Hallstätter Seestraße der Fall ist – kommt es schnell zum Dichtestress. Wie Mag. Werner Taurer, Tourismusexperte und Managing Partner bei Kohl & Partner, deutlich macht, lässt sich dieses Phänomen gut anhand eines wissenschaftlichen Modells erklären: „Aggression entsteht – und das beobachtet man nicht nur im Tourismus, z.B. auch in Einkaufszentren oder Fußballstadien – immer dann, wenn die Dichte an Menschen zu groß wird. Aufgrund dieser Dichte entsteht Dichtestress, vielleicht auch Orientierungslosigkeit und aus dem heraus Ängste, und über die Ängste dann Aggression.“

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Einheimische sprechen von einer ständigen Beschneidung des persönlichen Lebensraums, dem Kampf um den öffentlichen Raum als Ort des sozialen Austauschs sowie vom Verlust der eigenen Identität. Im Fokus stehen dabei vor allem Tagestouristen und Stundengäste, welche viel Unruhe in die Region bringen und nicht nur von den Bewohnern, sondern auch von Übernachtungsgästen zunehmend als Belastung wahrgenommen werden. Man wünscht sich Qualität, Klasse vor Masse und einen respektvollen Umgang auf Augenhöhe im Dialog zwischen Bereisten und Bereisenden. Wie kann eine touristische Destination auch auf langfristige Sicht ein „Ort des Glücks“ für ihre dauerhaften Bewohner bleiben? Einfache Standardrezepte gibt es dafür nicht. Lösungsansätze müssen ortsspezifisch, unter enger Einbindung der Bevölkerung, Wirtschaftstreibenden und Besucher erarbeitet werden. Kohl & Partner beschäftigt sich bereits seit mehr als 35 Jahren mit der gezielten Entwicklung von Tourismus- und Lebensräumen. Basierend auf diesen umfangreichen Erkenntnissen empfiehlt sich eine Vorgehensweise in zwei Schritten, um gemeinsam Maßnahmen für eine positive Zukunft zu setzen:

1. Analyse der Lebensqualität vor Ort

Die größten Verbesserungsansätze liegen in den Bausteinen der Lebensqualität vor Ort. Daher hat Kohl & Partner in Kooperation mit BRANDWORK-STUDIOS das das LebensQualiMeter (LQM) entwickelt. Das LebensQualiMeter spiegelt die subjektive Einschätzung von Lebens-qualität im beruflichen, kulturellen, sozialen und umweltbedingten Kontext in einer Region wider. Bei einer groß angelegten Umfrage innerhalb der Bevölkerung werden Rück-meldungen zur subjektiven Lebensqualität erhoben. Dabei wird eine breite Vielfalt an Faktoren berücksichtigt, wie z.B. die materiellen Lebensbedingun-gen vor Ort, wirtschaftliche Sicherheit und Arbeit, Bildung, Freizeit- und öffentliche Infrastruktur, natürliche Umgebung und Wohnumfeld, physische Sicherheit, soziale Interaktionen, Gesundheit, allgemeines Lebensgefühl sowie positive und negative Auswirkungen des Tourismus auf die persönliche Lebensqualität vor Ort. Die Rückmeldungen aus dem LebensQualiMeter dienen als Leitfaden für Verbesserungen in den unterschiedlichsten Lebensbereichen und münden in konkreten, spürbaren Maßnahmen.


2. Entwicklung eines Lebensraumkonzepts

Basierend auf den Ergebnissen des LebensQualiMeter werden in den von Kohl & Partner begleiteten Lebensraumkonzepten gemeinsam mit lokalen In-teressensvertretern orts- bzw. regionsspezifische Lösungsansätze entwickelt. Entscheidend dabei ist die aktive Einbindung der Bevölkerung in den Prozess.
Ein Auszug aus konkreten Ansätzen, welche bereits aus durch Kohl & Part-ner begleiteten Lebensraumkonzepten entstanden sind:

  • Aktives Visitor Management und Besucherlenkung (Beschilde-rungen, Besucherinformation – von der Website zur elektroni-schen Hinweistafel, Broschüren, Schulungsmaßnahmen etc.)
  • Einführung einer differenzierten Preispolitik
  • Regulierung der Anzahl an Unterkunftsanbietern, Zubringern etc. im Rahmen einer Destinationsstrategie
  • Einführung klarer Besucher-Limits (zielführend sind hier v.a. Beschränkungen im Rahmen der Buchung – verschlossene Türen vor Ort sorgen für zusätzliche Frustration)
  • Entwicklung ganzheitlicher Verkehrskonzepte

Sind dies Themen, welche auch Sie direkt betreffen und beschäftigen? Haben Sie ein konkretes Anliegen oder wollen uns für einen unverbindlichen Austausch kennenlernen? Dann wenden Sie sich gerne direkt an einen unserer Experten zum Schwerpunkt „Lebensraumgestaltung“.
 
 
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