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2 September
 
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Kooperationen in Hotellerie und Gastronomie

Unabhängig von unserem strukturellen und wirtschaftlichen Umfeld sollten wir nicht erst in Zei-ten, in welchen unser Betrieb Auslastungsrückgänge verzeichnet, reagieren. Vielmehr ist es unsere Aufgabe über die Zukunft nachzudenken und Partner zu suchen, welche ihre Stärken und Kompetenzen mit uns teilen.
Steigerung der wirtschaftlichen Stärke im kooperativen Verbund
Kooperationen sind keine Modeerscheinungen. Bereits in den Siebzigerjahren wurden in der Betriebswirtschaft die Zusammenhänge und Vorteile von Kooperationen erfasst und behandelt. Unterschiedlich grosse Betriebe schliessen sich zweckmässig zusammen, um die wirtschaftliche Stärke zu steigern. Durch die gewonnene Grösse wird das Marktpotential multipliziert.

Begünstigt durch die aktuelle wirtschaftliche Lage, gewinnt diese Form des Zusammenschlusses in Zukunft an Bedeutung. In der Branche ist man sich einig, dass Einzelkämpfer es schwer haben, sich gegenüber Kooperations-Mitgliedern in gleichem Masse zu behaupten. Hotel- und Gastrono-mie-Ketten zeigen es uns vor, wie man sich gemeinsam auf dem Markt bewegt. Sie bieten ihren Mitgliedern einen einheitlichen Auftritt und ver-einbaren Beschaffungsverträge mit Lieferanten zu meist vorteilhafteren Konditionen, als dies bei Einzelbetrieben möglich wäre. Durchstrukturiert über alle Aktionsbereiche und vertraglich für jegliche Situation abgesichert schränken sie damit allerdings auch die Individualität des einzelnen Betriebes ein.

Wissenschaftliche Studien belegen, dass die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kooperation nicht zwingend nur in grossen Unterneh-mungen (Hotelketten) gegeben sind, sondern vielmehr auch von kleineren Betrieben sehr erfolgreich umgesetzt werden können. Eine Zusammen-arbeit kann insofern nur dann fruchtbar sein, wenn die Rahmenbedingungen aller involvierten Betriebe ähnlich sind und die Unternehmungen strukturell wie auch finanziell solide dastehen. Kooperationen ohne Vertrag benötigen klare Ziele, aktive Mitglieder, keine reinen „Zuhörer“ und Mindest-spielregeln (z.B. Anwesenheitspflicht, Protokolle mit Massnahmen...).
Partielle Verträge sind Direktiven für ein Ziel (z.B. Angebotskriterien, Einkauf...). Vereinbarungen sollten nicht nur kontrolliert sondern Vergehen auch sanktioniert werden. Mindestspielregeln als Bestandteil des Vertrags (z.B. Anwesenheitspflicht, finanzielle Beiträge...).
Kooperationen durch Bildung von Gesellschaften erfordern die Bereitschaft, einen Teil der eigenen Auto-nomie aufzugeben sowie klare Verträge mit Regelung der Austrittsmöglichkeit (stufenweise Vertiefung).

Machbarkeit und Umsetzung in der Praxis…
In der Umsetzung erweisen sich Kooperationen oft als Stolpersteine. Wenn gewissen Voraussetzungen zu wenig Beachtung geschenkt wird, kann der Zusammenschluss harzig oder von kurzer Dauer werden. Die Verbindlichkeiten sind hoch und Disziplinlosigkeit schwächt eine Gruppe. Folgende Gefahren können in einer Kooperation entstehen:
Gefahr 1: Anfangseuphorie – die Begeisterung ist zu Beginn sehr gross und verliert schnell an Spannung
Gefahr 2: Kein Durchhaltevermögen – es folgt die Ernüchterung und der Aufwand übertrifft die Erwartungen
Gefahr 3: Neid und Misstrauen gegenüber dem plötzlichen Erfolg eines Gruppenmitgliedes
Gefahr 4: Egoismus und Eigennutzen spielen sich in den Vordergrund

Es empfiehlt sich daher vor Beginn der Kooperation gewisse Leitlinien zu definieren. Dazu zählt auch die Wahl einer Führungsperson innerhalb der Gruppe, welche es versteht die Ziele und Projekte zu verfolgen, die Kommunikation untereinander sicher zu stellen und für eine positive Kultur in der Gruppe zu sorgen. Vor dem finalen Entscheid eine Kooperation zu gründen oder einer solchen beizutreten, sollten einige Fragen beantwortet werden. Dabei kann es sinnvoll sein, sich an eine Vertrauensperson zu wenden oder eine Zweitmeinung von Experten einzuholen.
  • Selbstanalyse: Was sind meine eigenen Erwartungen an die Kooperation? Wie kooperationsfähig bin ich und welche Kompromisse bin ich bereit einzugehen?
  • Informationsphase: Welche Kooperationsgruppe eignet sich für meine Bedürfnisse?
  • Form der Kooperation: Wäre der Beitritt zu einer bestehenden Kooperation oder die Neugründung einer Gruppe sinnvoller?
  • Professionelle Begleitung: Will ich eine externe Beratung durch einen professionellen Partner in Anspruch nehmen oder suche ich mir eine starke Persönlichkeit aus meinem Umfeld für die Umsetzung?

10 Leitlinien für erfolgreiche Kooperationen
  1. Auf Kooperation sind wir nicht trainiert – wir sind auf Kampf trainiert. Kooperieren muss gelernt werden. Partnerverständnis statt Feind-bild. Die Kooperation beginnt demnach nicht beim anderen, sondern bei sich selbst. Prüfen Sie Ihre eigene Kooperationsfähigkeit.
  2. Kooperation ist kein Rettungsanker für Schwache. Sie setzt eigene strategische Sicherheit voraus, ein eigenes Konzept. Kooperation er-fordert unternehmerische Reife.
  3. Kooperation ist keine Modeströmung nach dem Motto „Kann man es sich heute noch leisten, nicht zu kooperieren?“ Kooperation ist ein strategisches, betriebswirtschaftliches Kalkül. Manchmal ist der Verzicht auf eine Kooperation die einzig richtige Entscheidung. Nicht um jeden Preis kooperieren.
  4. Kooperation heisst, einen Teil seiner Autonomie aufzugeben: „Wie viel Selbständigkeit muss ich aufgeben, um selbständig zu bleiben?“
  5. Der Begriff „Synergie“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet schlicht „Zusammenarbeit“. Eine Zusammenarbeit zwischen Unter-nehmen bringt nicht automatisch Vorteile – sie müssen erarbeitet werden – von allen. „Du hast die Idee gehabt, Du solltest es über-nehmen“ ist eine Todsünde der Aufgabenteilung.
  6. Lose Kooperationen erzielen durch mangelnde Disziplin und Verbindlichkeit sowohl bei Service-Kooperationen als auch bei Marketing-Kooperationen keine zufriedenstellenden Ergebnisse. Professionelle Initiativen mit klaren „Spielregeln“ und straffen Verträgen schaffen.
  7. Beim Geld zeigt sich schnell, wie ernst die Zusammenarbeit gemeint ist. Zugleich mit dem Vertrag ein realistisches Budget unterschrei-ben lassen.
  8. Wenn das Produkt nicht klar ist, Marketing nicht an die erste Stelle der Ziele setzen. Marketingkooperationen erfordern Branding, Quali-tätskontrolle, klare Preisstruktur, schnelle Buchbarkeit, Verkauf und Schulung – dies erfordert viel Disziplin und Durchhaltevermögen. Es geht darum, marktfähige Einheiten zu schaffen.
  9. Gruppen brauchen einen starken Kopf, eine Führungspersönlichkeit. Sie führt die Gruppe auch durch die unweigerlichen Krisen. Er oder sie weiss, dass ein Kooperationsprozess etwas Lebendiges ist, das sich stets neu beweisen muss.
  10. „Wer ins selbe Boot steigt, muss dasselbe Ziel haben“ – nichts ist schlechter, als Partner im selben Boot mit verschiedenen Träumen. Kooperationsfelder abstecken und gemeinsame (messbare!) Ziele erarbeiten.
 
Folgende Stufen der Kooperation lassen sich zusammenfassen:
Kooperationen in Hotellerie und Gastronomie
 
 
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