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27 September
 
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Wie Rottweil sich neu erfindet

Mit einer umfassenden Studie begleiten die Tourismusexperten von Kohl & Partner die Stadt Rottweil in einem außergewöhnlichen Projekt, analysieren dessen Potenziale, zeigen die wesentlichen Stellschrauben für den Projekterfolg auf und geben konkrete Handlungsempfehlungen für die Umsetzung.
Wie Rottweil sich neu erfindet
 
 
Der große Graben
Türme, Brücken und tiefe Gräben – die düstere Geschichte Europas war durch sie über viele Jahrhunderte hinweg gezeichnet. Als trotzige Wehranlagen boten sie Schutz für die Bürger der Städte und hielten alles Fremde fern. Viele der Bollwerke bleiben uns bis in die Gegenwart hinein erhalten und bereichern heute das touristische Angebot europäischer Städte. Die Zeit der Abschottung soll Geschichte bleiben, Europa und die Welt sollen heute weiter zusammenwachsen. Und dennoch wird in Rottweil - der ältesten Stadt Baden-Württembergs - ein neuer Turm errichtet. Eine lange Hängebrücke über einen tiefen Graben soll folgen! Visionäre Investoren und die Stadt Rottweil planen ein beeindruckendes Tourismusprojekt der Superlative. Kohl & Partner begleitet die Stadt hierbei und zeigt die Chancen innovativer touristischer Infrastrukturprojekte auf.

Von der höchsten Aussichtsplattform Deutschlands …


Thyssenkrupp ist ein weltweit führendes Stahl- und Technologieunternehmen. Im historischen Städtchen Rottweil errichtet der Konzernriese derzeit den 244 Meter hohen Thyssenkrupp-Testturm. Die moderne Testanlage für Hochgeschwindigkeitsaufzüge wird 2017 ihren Betrieb aufnehmen und bietet Raum für 12 Aufzugschächte neuester Technologie. In Zeiten weit verbreiteter Brandlands, d.h. Markenerlebniswelten integriert Thyssenkrupp in das einzigartige Bauwerk eine touristische Besonderheit – von der höchsten Aussichtsplattform Deutschlands in 232 m Höhe können zukünftig mehr als 100.000 Besucher jährlich weit über Rottweil und die Stadtgrenzen hinaus bis tief in die Alpen, in den Schwarzwald oder auf die Höhen der Schwäbischen Alb sehen. Tagungs- und Konferenzräume direkt unterhalb der Plattform bieten atemberaubende Weitsicht für Veranstaltungen aller Art. Das bislang im ländlichen Raum einzigartige touristische Angebot wird viele Besucher locken – davon sind alle am Projekt Beteiligten von Konzern und Stadt überzeugt. Und von diesen Gästen und deren touristischen Ausgaben sollen die gesamte Stadt, ihre Unternehmen und Bürger profitieren.

Doch die Sache hat einen Haken. Testturm und die attraktive historische Innenstadt Rottweils trennt ein tiefer Graben. Das Neckartal macht die fußläufige und spontane Verbindung der beiden touristischen Attraktionen Rottweils nahezu unmöglich.

… über die längste Hängebrücke Europas

Doch die für ihren Erfindergeist berühmten Schwaben haben auch für dieses Problem eine Lösung gefunden. Ein privater Investor plant nun, den Standort des Testturms am Berner Feld durch eine etwa 800 Meter lange Fußgängerhängebrücke mit der historischen Innenstadt Rottweils fußläufig und für jedermann nutzbar zu verbinden. Durch das Rottweiler Ensemble der längsten Fußgängerhängebrücke Europas, der höchsten Aussichtsplattform Deutschlands und der ältesten Stadt Baden-Württembergs entsteht so eine bislang einzigartige touristische Attraktion - in Baden-Württemberg und weit darüber hinaus.

Wie aber wird das geplante Großprojekt den Tourismus in Rottweil verändern? Mit welchen Besucherzahlen und deren touristischen Umsätzen kann in Rottweil durch Turm und die Hängebrücke zukünftig gerechnet werden? Welche Chancen und Risiken birgt die Unternehmung für die älteste Stadt Baden-Württembergs und durch welche gezielten Maßnahmen können die positiven Effekte der neuen Infrastrukturen verstärkt werden?

Innovative touristische Infrastrukturen bergen neue Chancen in ländlichen Räumen

Dabei zeigt die Studie auf, dass innovative touristische Infrastrukturen – wie im Beispiel Rottweil – gerade auch in ländlichen Räumen starke Entwicklungsimpulse setzen können. So kann die Stadt Rottweil zukünftig bei vorsichtiger Prognose mit etwa 340.000 Tagesbesuchern von Hängebrücke und Thyssenkrupp-Testturm rechnen, von denen etwa 200.000 erst aufgrund der neuen Angebote die Stadt aufsuchen werden. Das Umsatzpotenzial dieser Gäste beläuft sich auf ca. 4,9 Mio. Euro jährlich.
Auch über die monetären Effekte hinaus zeigen sich Chancen, aber auch Herausforderungen. So zum Beispiel
  • Struktureffekte
Der Tourismus verändert die Strukturen der Nachfrage, des Angebots und des sozio-ökonomischen Umfelds der Stadt und Region.
Positiv mehr, jüngere & internationale Besucher
Negativ Kapazitätsbelastungen durch mehr Gäste, v.a. in der Innenstadt
  • Infrastruktureffekte
Der Tourismus trägt zur Entwicklung von Infrastrukturen für Wirtschaft und Bevölkerung (Verkehrsinfrastruktur, Kongress- Freizeit- und Übernachtungseinrichtungen) bei.
Positiv Verkehrslenkung und Investitionsimpulse (Qualität, Kapazität...)
Negativ Verschärfung Verkehrs- und Parksituation
  • Image-Effekte
Das touristische Image ist oft eine wesentliche Komponente des wahrgenommenen Gesamtauftritts einer Stadt oder Region.
Positiv Höhere Bekanntheit/Höhere Identität und starkes Profil
Negativ Enttäuschte Gäste/Mangelnde Gäste-Orientierung durch fehlende Angebotsgeschlossenheit
  • Kompetenzeffekte
Durch den Tourismus kann am Standort spezifisches Wissen z.B. in persönlicher Dienstleistungen, erworben werden.
+ Entwicklungsimpuls für innovative Angebote
+ Orientierung für Tourismus/-Stadtentwicklung
- historische Bedeutung Rottweils tritt zurück
  • Kooperationseffekte
Der Tourismus trägt zur Vernetzung des Standortes im Bereich persönlicher Netzwerke, Verkehrs- oder Informationsnetzwerke bei.
+ Überregionale Vermarktung
+ Angebotsvernetzung
- Konkurrenz öffentlicher Infrastrukturen um begrenzte Mittel

Eine optimale Angebotsverzahnung ist der zentrale Erfolgsfaktor

In Rottweil wird die herausragende Aufgabe für alle an der weiteren Entwicklung Beteiligten sein, die Besucher der neuen Infrastrukturangebote für einen konsumierenden Aufenthalt in der Innenstadt zu gewinnen. Erst so kann das Umsatzpotenzial dieser Gäste für Handel, Gastgewerbe und weitere Dienstleister der Stadt optimal ausgeschöpft werden und letztlich auch den Bürgern der Stadt zu Gute kommen.

Gezielte Maßnahmen ermöglichen dabei eine höhere Wertschöpfung in den innenstädtischen Betrieben, z.B.
  • Services bieten durch
    - Informationsplattformen/Infocenter mit Servicepersonal
    - Gastronomie, Toiletten, Aufenthaltsbereiche, Ausweichangebote
  • Verbindungen gestalten durch Inszenierung der Wege, begleitender Shuttle
  • Verkehr organisieren mit Hilfe von Leitsystem und Beschilderung, Parkplätze für PKW und Busse
  • Innenmarketing aufbauen und Bürger mitnehmen => Förderung der lokalen Identität und des Tourismusbewusstsein
  • Angebotseinbindung : Dienstleistungen & Attraktionen verknüpfen (Kombitickets)
  • Angebotsentwicklung und -Optimierung inkl. Qualitätsentwicklung in Handel und Gastronomie
  • Funktionale Harmonisierung von Innenstadt und Berner Feld 
  • Abstimmung der Öffnungszeiten
Am Beispiel Thyssenkrupp-Testturm und Hängebrücke Rottweil zeigt sich, wie wichtig die optimale Verzahnung und Integration touristischer Angebote und gemeinsame Entwicklung des touristischen Produktes mit all seinen Bestandteilen ist. Erst durch Umsetzung eines abgestimmten Gesamtkonzeptes kann auch in Rottweil der größtmögliche Nutzen für die Unternehmen, den Wirtschaftsstandort und die Lebensqualität der Bürger der Stadt erreicht werden.
 
 
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