Wir verwenden Cookies für die beste Nutzererfahrung. Es werden Cookies von Dritten eingesetzt, um Ihnen personalisierte Werbung anzuzeigen. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie der Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät zu. Informationen zu Cookies und ihrer Deaktivierung finden Sie hier.
 
 
27 September
 
Drucken

Wie kommt mehr Innovation in den Tourismus?

Im Allgemeinen gelten Tourismusbetriebe nicht gerade als Innovationsmotoren. Häufig werden Neuheiten aus anderen Branchen oder auch innerhalb der Branche einfach kopiert. So sind Innovationsimpulse zuletzt oft im technischen Bereich gesetzt worden, die von anderen Branchen (z.B. dem IT-Sektor) entwickelt und der Branche angeboten wurden. Ein Beispiel sind auch Buchungsplattformen, die eine neue Dimension im Vertrieb erschlossen haben.
Wie kommt mehr Innovation in den Tourismus?
 
 
Warum ist das so? Vielfach fehlt einfach das Geld für „Forschung und Entwicklung“. Besonders in den Klein- und Mittelbetrieben fehlen zumeist einfach die Zeit und/oder das entsprechende Innovationsklima. Es ist schon schwierig genug, alle anderen täglichen Aufgaben unter einen Hut zu bekommen. So entstehen Neuerungen sehr oft zufällig und aus dem Bauch heraus, selten im Rahmen eines strukturierten Prozesses.
Dabei unterliegt aber gerade der Tourismus auf Grund der stetig wachsenden Erwartungen der Gäste und des globalen Wettbewerbs einem massiven Innovationsdruck.

Natürlich gibt es im Tourismus etliche sehr innovativ-kreative Unternehmer, die permanent nach dem Motto „Wer aufhört, besser sein zu wollen, hat aufgehört gut zu sein“ agieren. Sie sind oft auch die Herzeige-Beispiele in der Branche, die wiederum kopiert werden. Wenn ich nun als Unternehmer nicht das Innovatoren-Gen in mir habe und oben drein die Zeit fehlt – wie kann ich trotzdem zu dringend nötigen Ideen für Neuerungen im Betrieb kommen?

7 Thesen wie mehr Innovationen im Tourismus entstehen können:

1. Freiraum schaffen für kreative Phasen und Kopfarbeit

Die berühmte tägliche „Stunde für mich“ kann bereits helfen, sich einfach einmal losgelöst vom Alltagsgeschäft den nachfolgend genannten Vorschlägen zu widmen. Das kann ein erster wichtiger Schritt zur Erneuerung sein. Hören Sie Ihren Mitarbeitern oder Gästen zu. Innovationen entstehen in einer Atmosphäre, die neues, kreatives Denken und Handeln fördert.

Die Schaffung von Innovationskultur zählt zu den zentralen Aufgaben jeden Unternehmers, um im intensiver werdenden (Innovations-)Wettbewerb wachsen zu können.

Es gibt viele Menschen, die sich mit innovativen Ideen befassen, letztendlich entsteht die Innovation aber erst dann, wenn das notwendige Know-how und die Vermarktungsstärke bestehen, die Innovation auch erfolgreich am Markt einzuführen.

2. Über den Tellerrand schauen – von anderen lernen

Viele der kreativsten Köpfe im Tourismus haben eine Zeit lang im Ausland gelebt oder gearbeitet und gelernt, über den Zaun zu schauen. Sie reisen viel – beruflich und privat. Studienreisen müssen nicht immer organisierte Touren zu den Mitbewerbern sein. Reisen bildet – erst recht Touristiker. Aber Reisen und der Besuch von neuen Einrichtungen im Tourismus regt an und gibt Impulse zu Ideen für eigene Weiterentwicklungen. Auch Besuche von Seminaren, Fachveranstaltungen und Messen können diese Wirkung haben. Warum nicht als Hotelier auf einer Möbelmesse neueste Entwicklungen und Moden kennen lernen?
Fachartikel, Bloggs, Surfen im Internet, etc. sind weitere Quellen der Inspiration. Innovative Unternehmer bleiben immer neugierig!

3. Co-Creation

In der Innovationsforschung wurde der Begriff „Co-Creation“ für das gemeinsame Entwickeln von Innovationen geprägt. Darunter verstehen wir das gezielte und strukturierte Einbinden von Mitarbeitern, Kunden, Geschäftspartner, Lieferanten, externe Experten etc. im Innovationsprozess. Dabei hilft das gegenseitige "Anstacheln" bei der Ideenfindung in einem Innovationsprozess genauso, wie der insgesamt einfach größere Wissenshorizont der beteiligten Personen. Die Bildung von Branchen-übergreifenden Netzwerken begünstigt dabei das neue, kreative Denken und die Entwicklung innovativer Angebots-Kombinationen.

Dies erfordert aber im Unternehmen selbst das erwähnte positive Innovationsklima, in dem Ideen entstehen und bis zur Umsetzung reifen können. Ein erfolgreicher Hotelier im Alpenraum hat gezielt seine Mitarbeiter als Innovatoren eingesetzt. Unter anderem auch die Jüngsten im Team – die Auszubildende. Sie durften beispielsweise zumindest einmal im Jahr auf Betriebskosten selbst Gast in einem Hotel oder einem Restaurant sein, das gemeinsam ausgewählt wurde und von dem man annahm, dass es ein innovatives Vorbild wäre. Die jungen Leute mussten dafür einen Bericht abliefern, in dem ihre Lernerfahrungen und die Empfehlungen, die sie für ihren eigenen Betrieb mitbrachten, niedergeschrieben waren. Nicht selten wird dabei Gelerntes auf den eigenen Betrieb angepasst und umgesetzt.

Dabei nicht die Gäste vergessen – ihr Feedback ist eine extrem wertvolle Quelle für Verbesserungen und Neuerungen. Nicht nur die Feedback-Plattformen sichten und auswerten, sondern vor allem im persönlichen Gespräch sensibel hinhören. Vorsicht vor der Stammgast-Falle – diese möchten nicht selten, dass alles so bleibt wie es ist.

Die Berater von Kohl & Partner sind in der Moderation von z.B. Gäste-Focusgruppen oder gesamten Produktentwicklungsprozessen erfahren und helfen Co-Creation in der Praxis erfolgreich durchzuführen.

4. Testen, testen, testen und Fehler sind erlaubt

Vom Musterzimmer über kulinarische Experimente bis hin zu neuen Behandlungen im Wellnessbereich, sind verschiedenste Formen des Ausprobierens im Betrieb möglich und notwendig. Keine Idee wird ohne Entwicklungs- und Testphase zur erfolgreichen Innovation. Nur wo viel ausprobiert wird, entsteht auch viel Neues. Fehler und Fehlschläge sind einkalkuliert und erlaubt. Das Ausprobieren soll einfach auch Spaß machen!


5. Ein strukturierten Innovationsprozess führt zu Ergebnissen

Der Weg von der Idee bis zur umgesetzten Innovation (der Innovationsprozess): siehe Titel-Bild.

Um Unternehmer im Tourismus bei der Bewertung Ihrer Ideen zu unterstützen, hat Kohl & Partner einen Trichter entwickelt, der den Innovationsgehalt einer Idee feststellt. Dieser orientiert sich an folgenden Fragen:

1. Passt die Idee zum Unternehmen?
  • Unterstützt die Idee das Unternehmensprofil oder schwächt sie es?
  • Passt die Idee zu mir als Unternehmer?
  • Stört die Idee mein Hauptgeschäft?
2. Bringt die Idee wirklich ein neues Buchungs- bzw. Kaufargument?
  • Bringt die Idee neue Gäste, mehr Buchungen, mehr Umsatz?
  • Ist der Nutzen für den Gast erkennbar - nimmt er ihn wahr?
  • Bringt die Idee vermarktbare Wettbewerbsvorteile?
3. Ist die Idee grundsätzlich wirtschaftlich sinnvoll?
  • Was kostet die Idee (Investition und operative Kosten)?
  • Sind die Risiken beherrschbar (Geld, Image, Irritation bei Gästen)? 
  • Verbessert die Idee das wirtschaftliche Ergebnis? 
4. Ist die Umsetzung der Idee organisatorisch machbar?
  • Ist die innerbetriebliche Organisation imstande, die Idee zu verwirklichen?
  • Gibt es einen Hauptverantwortlichen für die Umsetzung der Idee?
5. Ist die Idee wirklich innovativ?
  • Hat ein Tourismusbetrieb diese Idee schon verwirklicht?
  • Ist die Idee im Vergleich zu den direkten Mitbewerbern innovativ und als Unterscheidungsmerkmal geeignet?

6. Ein Innovationsbudget festlegen

Industrie-Unternehmen haben ihr F&E-Budget (Forschungs- und Entwicklungsbudget). Warum nicht auch Tourismusunternehmen bzw. DMOs? Die oben beschrieben Aktivitäten wie Studienreisen oder das Engagement von Beratern brauchen einen finanziellen Spielraum. In jedem Budget, in jedem Haushaltsplan einer Tourismus-Organisation sollte ein fixer Betrag (z.B. in Prozent des Jahresumsatzes oder des Jahresbudgets) dafür reserviert werden. Dann sind Seminarbesuche, Produkttests oder einfach auch Reisekosten von vorneherein einkalkuliert und finanzierbar.

Bei beschränkten Mitteln kann wiederum der Innovationstrichter helfen, die erfolgversprechendsten Projekt- oder Produktideen auszuwählen.

7. Ideen teilen und Ideen erhalten (Open Innovation)

Von der IT-Branche sind offene Innovationsprozesse bekannt, bei dem User bei der (Weiter-)entwicklung eines Produkts oder einer Software mithelfen. Dabei ist der meist sehr große Kreis der Ideen- und Know-How-Bringer das größte Potenzial. Wie kann dies nun im Tourismus funktionieren? Am einfachsten wohl über Plattformen und Kooperationen, wo Gleichgesinnte aber auch beispielsweise Mitbewerber, Kunden oder Branchenfremde an der Lösung von Problemen mitarbeiten. Diese Plattformen benötigen professionelle Begleitung und strukturierte Aufarbeitung. Denkbar wären solche Plattformen bei Destinationen, aber auch bei HOGAST, DEHOGA oder IHK für spezifische, viele Partner oder Mitglieder betreffende Themen und Problemstellungen. Open Innovation Prozesse sind im Tourismus noch sehr selten.
 
 
 Zurück zum Magazin 
 
Drucken