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26 August
 
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Naturinszenierung – Notwendig oder Verkitschung der Natur?

Ist eine Inszenierung der Natur notwendig, um beim Gast von heute punkten zu können?
 
Welches attraktive Angebot zieht Gäste in die Natur? Genügt die Natur an sich? Erklärt sie sich von selbst? Oder sind künstliche Erlebniswelten notwendig? Diesen Fragen müssen sich verantwortliche Touristiker in vielen Destinationen stellen. Wir versuchen eine Antwort.

Keine Frage, wir Deutschen sehnen uns nach Urlaub und Freizeit in intakter Natur.
Gesellschaftliche Trends wie „Natursehnsucht“, „Regrounding“, „Nachhaltigkeit“, „Authentizität“ und „Gesundheit“ haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass der Urlaub in der Natur, als Gegenwelt zu einer zunehmenden Verstädterung mit Stress und Hektik stark an Attraktivität gewonnen hat. Zu beobachten ist dabei allerdings, dass der Großteil der Gäste sich dabei nicht „expeditionsartig“ in abgelegene Naturlandschaften zurückzieht, sondern attraktive Naturangebote in Anspruch nimmt und dabei auf einen gewissen Komfort nicht verzichten möchte. Touristiker sprechen bei diesen Angeboten von gezielter Inszenierung, Naturschützer oftmals von „Verkitschung“.
Was ist nun richtig? Und wie viel „Kitsch“ braucht die Natur, um für Gäste attraktiv zu sein?
Ländliche Regionen brauchen Natur-Attraktionen
Die Zahlen der letzten Jahre zeigen einen eindeutigen Trend: Deutschland als Reiseland boomt. Während der Städtetourismus in München, Hamburg oder Berlin Monat für Monat neue Rekordzahlen bejubeln kann, verläuft diese Entwicklung in ländlichen Regionen durchaus unterschiedlich.
Selbstverständlich können ländliche Regionen mit dem Kulturangebot der Großstädte nicht mithalten. Im Gegensatz dazu verfügen viele aber über ein, nicht selten brachliegendes, naturtouristisches Potential. Die Herausforderung besteht deshalb darin, attraktive und buchungsentscheidende Angebote zu entwickeln, um sich ein „Stück des Kuchens zu sichern“.
Auf der Suche nach naturtouristischen Highlights orientieren sich manche Regionen an direkten Mitbewerbern oder an großen internationalen Beispielen und übertragen deren Ideen gemäß dem Motto „größer, höher, spektakulärer“ auf die eigene Region. Solche identitätsfremden Attraktionen werden dann nicht selten von Naturschützern und
Einheimischen als „Disneyland“ bekämpft, wobei in der Diskussion vielfach zu stark „schwarz/weiß“ argumentiert wird. Während die Einen die Inszenierung verteidigen, argumentieren die Anderen, dass die Schönheit der Natur an sich ausreichen muss.

Warum sind Natur-Inszenierungen für Gäste überhaupt notwendig?
Einige Gründe, warum es ohne Naturinszenierung nur schwer geht:
  • Natur erklärt sich nicht von selbst
    Die Natur erklärt sich nicht von selbst und erzählt auch nicht von der Geschichte der
    Region. Gäste von heute wollen kurz und einfach etwas über die Region erfahren, nicht
    aber seitenweise Literatur lesen, um die Natur und die Geschichte der Region
    kennenzulernen.
  • Natur allein ist nur bedingt buchungsentscheidend
    Die Natur ist eine wichtige Basis, aber in den seltensten Fällen allein für die Buchung
    entscheidend. Sie ist mitunter nachrangig; wenn die touristischen Angebote vergleichbar
    sind, entscheidet die Natur mit. 
  • Gäste sind es gewohnt, animiert zu werden
    Die Gäste von heute – insbesondere Kinder – haben gelernt, unterhalten, ja animiert zu
    werden (Trend der „Gamification“). Sie bekommen Anreize, etwas zu tun und sind diese
    Vorgehensweise vielfach gewohnt: sei es bei Computerspielen, interaktiven
    Erlebniswelten, etc. Es reicht ein Blick in die Kinderbücher der heutigen Generation. Diese
    sind voll mit interaktiven Elementen; da gibt es Fenster zu öffnen oder eine Seite
    auszuklappen, hinter denen sich die Erklärung des Themas findet. Auch hier das klare
    Ziel: Interesse wecken und animieren. 
  • Natur birgt (schwer einschätzbare) Gefahren
    Viele Menschen tun sich heute schwer, selbst spannende Dinge in der Natur zu
    entdecken, sprich einen Spaziergang oder eine Wanderung zu einem Erlebnis werden zu
    lassen. Des Weiteren wachsen viele Kinder der heutigen Generation sehr behütet auf und
    können Gefahren nur schwer einschätzen, da sie diese aus ihrem gewohnten, urbanen
    Umfeld nicht kennen. Für diese Zielgruppen ist es erforderlich, überschaubare und
    abgegrenzte „Spielbereiche“ zu haben.

Zusammengefasst kann festgehalten werden, dass sich die Anforderungen des Gastes in den letzten Jahren ganz einfach verändert haben und die Natur allein oftmals nicht mehr ausreicht um dessen Bedürfnisse zu befriedigen.

Sensible Naturinszenierungen in bereits erschlossenen Regionen
Wie können touristische Destinationen den Gästen Natur näher bringen, ohne dass es zu
einem „Verkitschen“ der Natur kommt?

  • Regel Nr. 1:
    Nur in bereits erschlossenen Regionen bzw. Naturräumen.
  • Regel Nr. 2:
    Keine „aufgesetzten“, identitätsfremden Attraktionen, sondern punktuell sensibel verstärken,
    was da ist, und dem Gast näher bringen.
  • Regel Nr. 3:
    Binden Sie bereits vor und in der Planung eine breitere Basis (der Bevölkerung) mit ein.
  • Regel Nr. 4:
    Suchen Sie sich ein authentisches Thema der Region und kopieren Sie nicht.
  • Regel Nr. 5:
    Zonierung. Punktuelle Attraktionszonen (Spannung), naturbelassene Zonen (Entspannung)
    und Schutzzonen (Taburäume) klar trennen.
  • Regel Nr. 6:
    Interaktive Stationen als Erlebniselemente, bei denen es etwas zu suchen, zu raten, zu
    bewegen oder zu genießen gibt – möglichst alle Sinne ansprechen.
  • Regel Nr. 7:
    Geschichten erzählen (Storytelling/Storyline) – klarerweise über die Region, über eine wahre
    Begebenheit oder aber auch eine Sage.
  • Regel Nr. 8:
    Denken Sie ganzheitlich – auch die Gastronomie, etwaige Konsum-Möglichkeiten und
    andere Angebotsbestandteile sollten stimmig in das Gesamtangebot eingepasst werden
    (touristische Dienstleistungskette).
 
 
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