Wir verwenden Cookies für die beste Nutzererfahrung. Es werden Cookies von Dritten eingesetzt, um Ihnen personalisierte Werbung anzuzeigen. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie der Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät zu. Informationen zu Cookies und ihrer Deaktivierung finden Sie hier.
 
 
24 September
 
Drucken

Nachhaltigkeit im Tourismus – Wie geht es Baden-Württemberg damit?

Seit dem 12. Mai 2011 ist der Grüne Winfried Kretschmann der neue Ministerpräsident von Baden-Württemberg und Chef der grün-roten Landesregierung. Der Tourismus ist im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz beheimatet, des von dem Grünen Minister Alexander Bonde geführt wird. Damit stellt sich doch die Frage, ob Ökologie und Nachhaltigkeit inzwischen diskutierte Themen in der Tourismuswirtschaft in Baden-Württemberg sind.
Ist „Grüner Urlaub“ ein Thema für die deutschen Reiseregionen?

In den letzten 10 Jahren sind die Übernachtungen in Baden-Württemberg von 40 auf über 49 Millionen in 2014 gestiegen. Besonders hohe Zuwächse wurden bei Übernachtungen von Ausländern mit einem Plus von über 57 Prozent bei den Übernachtungen und 51 Prozent bei den Ankünften realisiert. Gleichzeitig ist die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in allen Tourismusregionen seit Jahren rückläufig und eine wirkliche Trendwende zeichnet sich bislang nicht ab. Spontaner, situativer und immer öfter sind die Trends im Deutschlandtourismus. Hat da Ökologie eine Chance?

In einer Untersuchung der Reiseanalyse 2013 zum Urlaubsverhalten der Deutschen meinen 40 Prozent der Befragten, „Mein Urlaub soll möglichst ökologisch verträglich, ressourcenschonend und umweltfreundlich sein“ und 46 Prozent „Mein Urlaub soll möglichst sozialverträglich sein.“ Die Ergebnisse der Reiseanalyse 2014 bestätigen diesen Trend. Nachhaltigkeit ist für die Mehrheit der Touristen ein wichtiges Thema. Sie sehen ihre eigene Verantwortung als Verbraucher. Doch es gibt auch Kriterien für den nachhaltigen Urlaub: Er darf nicht teurer als „normaler“ Urlaub sein, er muss zu den Urlaubswünschen passen, es muss genügend Information dazu geben und es braucht ein großes Angebot.
Und wie sieht es mit dem aktuellen Status der Nachfrage aus? Laut verschiedener Studien des Bundesamtes für Naturschutz ist die ökonomische Wirkung des umweltorientierten Tourismus enorm. Umwelttouristische Angebote machen 20 Prozent des gesamten Reisemarktes aus. Intakte Natur und Umwelt sind für 84 Prozent der Deutschen wichtig für die eigene Urlaubszufriedenheit. Entsprechend besuchen jährlich ungefähr 290 Millionen Besucher die deutschen Naturparks, Nationalparks und Biosphären-Reservate und -Gebiete.

Was bietet Baden-Württemberg seinen Gästen zum Thema Natur und Nachhaltigkeit?

Grundsätzlich lässt sich das Thema Natur aus dem Blickwinkel des Tourismus aus zwei Richtungen betrachten. Die Natur als Aktivitätsraum, insbesondere mit Angeboten wie Wandern, Radfahren, Wintersport und Naturerlebnissen. Dort stehen sportliche Aktivitäten, Bewegung oder neue Erkenntnisse und Naturerfahrungen wie zum Beispiel bei Führungen im Vordergrund. Und es gibt die Natur als Sehnsuchtsraum, in dem sich emotionale Faktoren wie Entspannen, fallen lassen, Träumen, Heile Welt widerspiegeln. Gerade hier spielt die Regionalität, das Authentische und die Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle.
Baden-Württemberg kann alle Facetten bieten. Naturerlebnis ist nicht nur eine wichtige Themensäule im aktuellen Tourismuskonzept des Landes, sondern findet sich in verschiedenen Spielarten bei der Tourismus Marketing GmbH sowie in allen Tourismusregionen des Landes wieder. Egal ab Schwarzwald, Bodensee, Schwäbische Alb oder Nördliches Baden-Württemberg: Wandern und Rad, Wintersport und Naturangebote finden sich landauf wie landab. Sogar die Region Stuttgart kann mit seinen umliegenden Landschaftsparks punkten und selbst in der Stadt Stuttgart sind Stadterkundungen per Pedes wie zum Beispiel die Stäffelestouren, Stadtwanderrouten und Radwege sowie Gärten und Parks mehr als angesagt.
Insbesondere die Großschutzgebiete sind die Speerspitze im touristischen Naturangebot. Wandern, Rad und Naturerlebnisse sind die klassischen Highlights der sieben Naturparke, dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb und neuerdings auch dem Nationalpark Schwarzwald. Großschutzgebiete haben darüber hinaus die Aufgabe, sich noch mehr um umweltorientierte Angebote zu kümmern.
Naturschutz, Umweltbewusstsein, Regionalvermarktung und Barrierefreiheit sind Themen, die deutlich stärker in Richtung Nachhaltigkeit zielen. Insbesondere setzen diese den Fokus auch in der Vernetzung von Landwirtschaft, Tourismus, Naturschutz, Umweltschutz und sanfte Mobilität. Für den Tourismus sind die Schutzgebiete ein großes Pfund. Sie fungieren am Tourismusmarkt als bekannte Qualitätsmarken für qualitativ hochwertigen naturorientierten Urlaub. Und der Nationalpark eröffnet mit seinem international anerkannten Label auch die Türen für eine noch stärkere internationale Vermarktung des Naturtourismus in ganz Baden-Württemberg.

Gibt es aktuelle Landesinitiativen zur Nachhaltigkeit im Tourismus?

Sicherlich ist die Schaffung und Einrichtung des Nationalparks Schwarzwald ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung naturnaher Tourismusangebote in Baden-Württemberg. Zusätzlich ist derzeit ein weiteres Biosphärengebiet im Südschwarzwald geplant. Aber auch der Zusammenhalt und die Zusammenarbeit unter den Großschutzgebieten werden stetig gefördert und auf der touristischen Hausmesse CMT überzeugt 2015 ein gemeinsamer Stand der Großschutzgebiete vom naturnahen Tourismusangebot im Ländle sowie das entsprechende Tourismusmagazin „Echtzeit“.

Baden-Württemberg war darüber hinaus das erste Bundesland, das sich intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit in die touristische Vermarktung getraut hat. Grüner Süden ist eine Imagekampagne der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg die dazu beiträgt, die Nachhaltigkeitskompetenz Baden-Württembergs stärker im Gästebewusstsein zu verankern. Zusätzlich wirbt die TMBW derzeit unter dem Motto „Baden-Württemberg zieht an“ mit einer Out-of-Home Kampagne in ausgewählten deutschen Großstädten für einen nachhaltigen und genussreichen Urlaub im Süden. Die konkreten Angebote zielen zwar auf die Gästegruppe mit primärem Reisemotiv Nachhaltigkeit, verleihen aber zusätzlich dem naturorientierten Tourismusimage Baden-Württembergs zusätzliche Glaubwürdigkeit.

Noch mehr Glaubwürdigkeit bringt das innovative Projekt “Nachhaltigkeits-Check“ des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz als Umsetzungsinstrument der Nachhaltigkeitsziele des Tourismuskonzeptes und der Nachhaltigkeitsstrategie des Landes Baden-Württemberg. Definierte Nachhaltigkeitskriterien in allen drei Säulen und die Prüfung durch externe Gutachter sind Rückgrat der Qualitätsauszeichnung. Nach dem Pretest mit der Stadt Stuttgart, Bad Dürrheim, dem Europa-Park und dem Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald sind Ende letzten Jahres weitere sieben Tourismusziele im Land in den Zertifizierungsprozess eingestiegen.

Abgesehen von Grüner Süden und Nachhaltigkeits-Check engagieren sich seit Jahren viele Tourismusbetriebe im Land für Ökologie, Ökonomie und Gesellschaft und dürfen sich mit entsprechenden Auszeichnungen schmücken. Zum Beispiel die Biosphärengastgeber auf der Schwäbischen Alb, die Naturparkwirte, EMAS-zertifizierte Hotels, Betriebe mit dem DEHOGA Umweltsiegel oder der Viabono Auszeichnung. Und insbesondere in den Naturparks wurden viele Anstrengungen in Richtung Regionale Produkte und Barrierefreiheit unternommen.

Fazit

1. Das Thema „Nachhaltigkeit“ ist im Tourismus angekommen.
Beim Gast sowie bei den touristischen Anbietern in Baden-Württemberg. Die Suche nach Aktivitäten in der schönen Natur wie auch die Sehnsucht nach einer heilen Welt hat zugenommen.

2. Natur & Nachhaltigkeit sind gut im Tourismusangebot in Baden-Württemberg platziert.
Naturaktivitäten und Naturerlebnisse werden in allen Tourismusregionen des Landes geboten und sind fester Bestandteil der regionalen und landesweiten Tourismusstrategien. Mit Grüner Süden, dem Nachhaltigkeits-Check und vielen weiteren einzelnen Aktivitäten und Auszeichnungen wird das Engagement zu mehr Nachhaltigkeit demonstriert.

3. Nachhaltigkeit ist nicht nur Angebot, sondern auch Qualitäts- und Markenfrage.
Konkrete touristische Angebote zum Thema Nachhaltigkeit fokussieren eine spezielle Zielgruppe. Nachhaltigkeit ist immer darüber hinaus Bestandteil einer touristischen Qualitätsstrategie von Destinationen und auf allen Ebenen und Dimensionen des touristischen Angebotes relevant. Im ländlichen Tourismus ist Qualität selten ohne ökologische und gesellschaftliche Aspekte möglich. Für naturorientierte Tourismusmarken ist Nachhaltigkeit implizit ein Stück des Markenkerns, da ansonsten keine authentische Vermittlung der damit verbundenen Werte möglich ist.

4. Wer Natur anbietet muss Nachhaltigkeit tun.
Wer Natur im Tourismus anbietet und die Natur dabei auch als „Sehnsuchtsraum“ betrachtet kann nur erfolgreich sein, wenn er die Identität der Landschaft und die Landschaftsfunktionen nachhaltig erhält. Wer Natur verkauft muss sich um den Erhalt dieser Grundlage kümmern.

Alexander Seiz, Geschäftsführer von Kohl & Partner Stuttgart, hat Minister Alexander Bonde mit einem touristischen Vortrag bei der Vorstellung der neuen Naturschutzstrategie des Landes in den Regierungspräsidien in Baden-Württemberg unterstützt und sich intensiv mit dem Thema in Baden-Württemberg auseinandergesetzt.





Nachhaltigkeit im Tourismus – Wie geht es Baden-Württemberg damit?
 
 
 
 Zurück zum Magazin 
 
Drucken