Wir verwenden Cookies für die beste Nutzererfahrung. Es werden Cookies von Dritten eingesetzt, um Ihnen personalisierte Werbung anzuzeigen. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie der Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät zu. Informationen zu Cookies und ihrer Deaktivierung finden Sie hier.
 
 
6 November
 
Drucken

Luftmatratze und Frühstück - Neuer Mitbewerber für die Hotellerie

Viele von uns haben bisher nur von Plattformen wie Airbnb und Couchsurf gehört. Aber immer öfters! Grund genug, diese neue Übernachtungsform einmal detaillierter zu betrachten.
Download gesamten Artikel

Mittels publizierten Studien, eigenen Recherchen und dem Erleben dieser neuen Übernachtungsformen haben wir uns ein Bild verschafft. Bisher waren sich die Internetplattformen und Hotellerie von z.B. dem erfolgreichsten Anbieter Aribnb einig: Dieses neue Übernachten/Reisen konkurrenziert die Hotellerie nicht wirklich. Unser Fazit ist jedoch ganz anders. Es gibt einen neuen ernstzunehmenden Mitbewerber, der mit teilweise ungleichen Voraussetzungen Marktanteile gewinnt!

Alles begann 2007 in San Francisco. Weil eine Konferenz bzw. alle Hotels in der Stadt ausgebucht waren, kamen drei findige Jungmanager auf den einfachen Gedanken, mehrere Luftmatratzen aufzublasen und auf einer Webseite zum „Air Bed and Breakfast“ einzuladen. Aus dieser spontanen Geschäftsidee ist bis heute eine der am schnellsten wachsenden Internetplattformen der vergangenen Jahre entstanden – die inzwischen auch mit echten Betten agiert und der Hotellerie das Leben schwer macht.

Aktuelle Studien zu Airbnb
Die letzte, nicht unabhängige, von Airbnb in Auftrag gegebenen Studie, versucht das Wirtschaftspotential des Portals (welches zweifellos vorhanden
ist) und die Nachhaltigkeit (es müssen keine neuen Zimmer gebaut werden) in den Vordergrund zu stellen. Nach San Francisco und
Paris wurde nun die Stadt Berlin untersucht. Die wichtigsten Erkenntnisse aus dieser Studie:
  • 5600 private Vermieter vermarkten 119'000 Nächtigungen in Berlin
  • Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt 6.3 Tage (Hotellerie 2.3 Tage)
  • Das Einkommen der Airbnb Vermieter ist durchschnittlich tiefer als das der Allgemeinheit, was auf eine monetäre Motivation von vielen Vermietern schliessen lässt
  • Die Gäste und Gastgeber von Airbnb trugen im letzten Jahr mit über 100 Mio. Euro zur Wirtschaft Berlins bei
  • Fast 90% der Airbnb Gäste in Berlin kommen aus dem Ausland
  • Die Airbnb Kunden kommen aus den mittleren bis hohen Einkommensklassen und verfügen über einen hohen Ausbildungsstand

Die beeindruckenden Zahlen der Studie aus Berlin haben uns veranlasst Recherchen und Hochrechnungen für den Markt Zürich und Folgerungen für die Schweiz zu erarbeiten. Wir stellen jedoch nicht die Wirtschaftsleistung in den Vordergrund, sondern fragen uns, was entgeht der einheimischen Hotellerie und was kann sie dagegen tun?

Airbnb Markt Zürich – Schweiz
Unsere Analysen basieren ausschliesslich auf Internet-Recherchen. Airbnb bietet Unterkünfte in 3 Klassen:

  • Eine ganze Unterkunft (Apartment/Haus)
  • Ein Privatzimmer (mit oder ohne eigenes Bad)
  • Ein Gemeinschaftszimmer (Bett im Wohnzimmer etc.)


Folgende Trends haben wir im Anbietermarkt Zürich festgestellt:

  • Viele „Hosts“ stellen deren Einheit nur ab 2 Nächten, manche sogar erst ab 7 Nächten zur Verfügung. Übernachtungen für eine Nacht scheinen auch den Privatvermieter administrativ zu aufwendig sein.
  • Ganze Unterkünfte werden oft nur wochenweise angeboten, bzw. ab 4 Nächtigungen.
  • Es hat mehr Übernachtungsangebote über das Wochenende als unter der Woche. Die „Hosts“ überlassen die Wohnung nicht gerne alleine dem Gast und agieren vielleicht auch als Koch oder Reiseleiter. Wir schliessen daraus, dass mehr der „Leisure Gast“ angesprochen wird und weniger der „Business Gast“. Sicherlich spielt auch der eigene Spass und das Interesse Menschen kennen zu lernen eine nicht zu unterschätzende Rolle – erleben wir ein Revival des Gastgebers für „seine“ Gäste wie anno 1900?

 

 

Während sich der Preis für ein Apartment pro Nacht im Mittel um ca. Fr. 140.— pro Nacht einpendelt, erhält man in der Region Zürich für Fr. 75 im Durchschnitt ein Privatzimmer. Dies sind Durchschnittspreise der Region und die Preise in der Stadt sind sicherlich höher.

Wir haben versucht die Auslastungen der verschiedenen Kategorien in verschiedenen Regionen zu eruieren. Unsere Auswertungen haben ergeben, dass die Einheiten mehr als 50% ausgelastet sind. Davon ausgehend, dass die Einheiten wirklich eine durchschnittliche Auslastung zu den genannten Preisen erreichen, bedeutet dies für Zürich: Dies sind nur die Umsätze für die Übernachtung, evtl. mit Frühstück und haben noch nichts mit der gesamten Wirtschaftsleistung zu tun. Leider
können auf Grund der Programmierung der Suchmaschine nicht alle Regionen untersucht werden (je nach Anzahl Einheiten, erweitert die Suchmaschine
immer die Region).

Unfairer Wettbewerb?
Reiseformen und Interessen der Menschheit haben sich auch in der Vergangenheit immer wieder verändert und werden dies auch in Zukunft tun.
Diesem Umstand heisst es Rechnung zu tragen, wenn man über diesen neuen Trend / Markt nachdenkt. Die Tatsache der zunehmenden Online- Gesellschaft und die Technik haben und werden noch viel zur Veränderung der Gesellschaft beitragen. Weitere Treiber für diese alternativen Reise- und Übernachtungsformen sind die sogenannten postmaterialistischen Wertvorstellungen: Besitz und Eigentum verlieren an Bedeutung gegenüber Gesellschaft, Gemeinschaft, Teilen und Abwechslung. Entsprechend werden diese neuen Formen weiter wachsen!

Die Hotellerie und Parahotellerie muss den „neuen“ Mitbewerber ernst nehmen.
Ärgerlich für die Branche ist, dass diese „Vermieter“ nicht mit gleichen Voraussetzungen arbeiten. Als ungleiche Voraussetzungen aber auch rechtliche Unsicherheiten (Grau-Bereich) sehen wir:
  • Keine steuerlichen Erfassung der Umsätze (sofern nicht als gewerbliche Vermietung deklariert)
  • Keine Mehrwertsteuer
  • Keine Tourismustaxen
  • Keine Hygienevorschriften
  • Keine Sicherheitsvorschriften
  • Kein Haftpflichtversicherungen
  • Untervermietung in gemieteten Räumen

Die Tatsache, dass die Vermieter im Internet ersichtlich und ausfindig gemacht werden können, wird in Zukunft noch viel „Zündstoff“ bieten. Die Steuerverwaltungen könnten zum Beispiel beim Paar A&P in Zürich vorbeigehen – die jeden Tag 4 Betten in Ihrer 5 1/2 Zimmer-Wohnung vermieten – und sich nach Auslastung, Steuerabgaben und Sicherheitsaspekten erkundigen. Oder Zürich Tourismus, die basierend auf unserer Hochrechnung Zürich City Taxen in der Höhe von Fr. 200‘000 pro Jahr nicht erhalten.
Airbnb hat viel getan ums sich selbst zu schützen und macht auf die steuerlichen und mehrwertsteuerlichen (nicht Tourismusabgaben) Problematik aufmerksam und lenkt das Risiko auf den „Host“. Dafür ist dieser für Zerstörungen und Vandalismus durch Gäste versichert. Keine Versicherungsdeckungen hat jedoch der Gast.

Die Hotellerie kann nun einfach die Augen schliessen oder aber sich bewegen und etwas dagegen tun. Vielleicht muss die Schweizer Hotellerie wieder persönlicher werden, mehr „Host“ und weniger Verwalter und dem Kunden Erlebnisse bieten. Rechtlich und politisch kann versucht werden, dass dieser Mitbewerber mit den gleichen Auflagen und Richtlinien arbeiten muss. Denn, einem fairen Wettbewerb muss man sich stellen!
Zudem sind wir davon überzeugt, dass manche Gäste nach einem „Erlebnis“ in einer Airbnb-Unterkunft auch gerne wieder zurück ins Hotel gehen. André Gribi, Partner bei Kohl & Partner unternahm eine Airbnb Reise (Kurze Reisebericht der Reise nach Sofia und München finden Sie nachstehend) und wird zukünftig auf jeden Fall wieder ein potentieller Hotelgast sein.

Luftmatratze und Frühstück - Neuer Mitbewerber für die Hotellerie
 
 
• 8.0 Mio. Schweizerfranken Umsatz pro Jahr nur für die Stadt Zürich (inkl. Flughafenregion)
• 80‘000 Übernachtungen nur für die Stadt Zürich was ca. 2.1% der gesamten Hotelübernachtungen ausmacht
Luftmatratze und Frühstück - Neuer Mitbewerber für die Hotellerie
 
Luftmatratze und Frühstück - Neuer Mitbewerber für die Hotellerie
 
 
 Zurück zum Magazin 
 
Drucken