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10 Februar
 
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"Familienurlaub kommt oft zu bieder daher"

Beim Tourismustag Baden-Württemberg 2015 plädierte Motivforscherin Dr. Helene Karmasin aus Wien für mehr Sinnlichkeit, Verzauberung und Stimmungsbilder im Familienurlaub. Mit ihrem Aufruf, Kindern im Urlaub mehr „kontrolliertes Ausflippen“ zu ermöglichen gewann sie das Schmunzeln der Familiengastgeber.
Familienurlaub ist für Dr. Helene Karmasin einfach zu bieder. Prospekte, Angebote und die Gastgeber strahlen zu wenig visuelle Faszination und Sinnlichkeit aus und verlieren sich im Einheitsbrei der sachlichen Angebots-darstellung. Urlaub zu machen gehört zu den großen Sehnsüchten der Gesellschaft und ist ein wesentlicher Bestandteil der experience economy. Urlaub verkauft Gegenwelten zum Alltag – Gefühle, Stimmungen, Hoffnungen, Sehnsüchte und Erlebnisse. An diesen wichtigen visuellen Codes fehlt es ihr im Segment Familienurlaub.

Für Gastgeber heißt dies zum einen Mitdenken und Angebote kreieren, die alles Lästige im Urlaubsalltag abnehmen, zum anderen Freiräume schaffen, um der Familie – getrennt oder gemeinsam – sinnliche Erfahrungen zu ermöglichen. „Erlauben Sie Eltern und Kindern im Urlaub auch einmal verrückte Dinge zu tun“ war ihr Aufruf an die Gastgeber. Familien jagen im Urlaub nach gemeinsamen unvergesslichen Momenten. Und diese sollte ein guter Hotelier bieten können.

6 wesentliche Wünsche von Familien im Urlaub
Viele unterschiedliche Familientypen (von der klassischen Familie über Patchwork bis Alleinerziehende) charakterisieren heute den Gesellschafts- und Urlaubsalltag. Die wesentlichen Wünsche an den Familienurlaub sind aber bei allen Gruppen gleich:
  • Es soll Frieden herrschen
    Alles soll so arrangiert sein, dass Konflikte in der Familie im Urlaub verhindert werden. Anreise, Essenszeiten, Kontakt zu anderen Gäste sollen den Interessen aller Familienmitglieder entgegenkommen.
  • Beschäftigung für die Kinder
    Kinder sollen sich unterhalten können, Spaß haben, aber auch sinnvoll betreut werden. Das Ganze nach Möglichkeit so arrangieren, dass Eltern mit gutem Gewissen eigenen Interessen nachgehen können und auch mal Zeit für sich haben.
  • Zusammen etwas unternehmen/erleben
    Gemeinsame Erlebnisse zählen zu den wichtigsten Wünschen im Familienurlaub. Je ausgefallener und emotionaler, desto besser.
  • Sich als Familie erleben
    Im täglichen Alltag gehen die familiären Beziehungen oft im Arbeits- und Freizeitstress unter. Gemeinsame Spiele machen, Wanderungen und Museumsbesuche sind Elemente, um die Familie als spezielle Gruppenform zu erleben und zu erfahren.
  • Individuell wahrgenommen werden
    Dennoch will jedes Familienmitglied individuell und mit seinen eigenen Wünschen wahrgenommen werden. Eltern haben andere Bedürfnisse als Kinder, jüngere Kinder andere Anforderungen als Ältere.
  • Alle Urlaubsmotive befriedigen
    Gegenwelt, Verzauberung, Glücksgefühle sind die Schlagworte für den gelungenen Familienurlaub. Man will geliebt und individuell wahrgenommen werden.

Familientourismus ist eine Herzenssache

Dr. Alois Kronbichler von Kohl & Partner Südtirol brachte als zweiter Impulsredner die Erfahrungen der Familien-hotels und des Familientourismus in Südtirol ein. Er fokussierte vor allem auf die Gastgebersicht. „Lassen Sie den Familientourismus bleiben, wenn Sie Kinder nicht mögen“ zählt für Kronbichler zur Grundphilosophie eines profunden Familienangebotes. Und es muss gelingen, die beiden Systeme Betrieb und Familie mit strikten Regeln und klaren Trennungen in Einklang zu bringen. Den Familienhotels Südtirol ist es gelungen, durch ein klares Produkt, einer ständigen Qualitätsentwicklung und der Konzentration auf die Stärken Südtirols sich ausgezeichnet am Markt zu positionieren.


4 Thesen für erfolgreichen Familientourismus
Vier Thesen hat Kronbichler aus der langjährigen Erfahrung für den Familientourismus herausgefiltert und den Teilnehmern des Tourismustages vorgestellt:

  • Richtige Einstellung
    Angebote für Familienurlaub dürfen nicht als Projekt verstanden werden, das an die Marketingabteilung delegiert wird. Familienfreundlichkeit hängt primär von der Einstellung der Unternehmerfamilie und der Mitarbeiter zur Zielgruppe „Familien mit Kindern“ ab. Familien mit Kindern müssen allen im Betrieb ein persönliches Anliegen sein, egal ob saisonal oder ganzjährig beschäftigt, ob Chef oder Koch.
  • Stimmiges, innovatives und familiengerechtes Angebot
    Das Angebot muss einfach passen – jeder Betrieb aber auf seinem Niveau, vom Bauernhof bis zum Sternehotel. Hohe Sicherheitsstandards sind dabei unverzichtbar. Und neben Qualität im Detail auch Qualität, die Groß und Klein begeistert.
  • Berücksichtigen, was Familien wirklich wollen
    Sich als Familie wieder spüren, Treffen mit anderen Familien, individuelle Aufmerksamkeit, Lebensqualität und viel Naturerlebnisse sind die wichtigsten Komponenten.
  • Kraft aus der eigenen Familie schöpfen
    Gastgeber dürfen trotz aller Liebe für den Gast nie sich selbst und die eigene Familie vergessen. Die Familie muss die Kraftquelle für den Betrieb sein und der Betrieb darf die Familie nicht zerstören.

Stockholm - familienfreundlich erst für Bürger, dann für Gäste

Ganz neue Aspekte zum Familientourismus brachte Eva Camél Fuglseth, Director of Leisure and Tourist Services Stockholm, in die Podiumsdiskussion ein. Für die schwedische Hauptstadt ist Kinder- und Familienfreundlichkeit ganz selbstverständlich und vor allem ein Attraktivitätsfaktor für Bürger und internationale Fach- und Führungskräfte. Wer Unternehmen anlocken will, braucht attraktive Rahmenbedingungen für deren Mitarbeiterfamilien. Erst im zweiten Schritt hat Stockholm die vielseitigen Familienangebote auch ins touristische Marketing übernommen. Sie wundere sich, warum deutsche Städte das Thema Familie nicht wesentlich stärker als wichtiges Kriterium für einen Wirtschaftsstandort betrachten und nutzten.

Tourismustag größter Branchentreff für Tourismus in Baden-Württemberg
Der Tourismustag Baden-Württemberg findet jährlich im Januar im Rahmen der Reisemesse CMT in Stuttgart statt und ist mit knapp 1.000 Teilnehmern der größte touristische Branchentreff in Baden-Württemberg. Er wurde 2015 von Kohl & Partner Stuttgart zusammen mit der Agentur ecomBetzPR fachlich und technisch für das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg geplant und organisiert. Nach der Eröffnung durch Herrn Minister Alexander Bonde und den beiden Impulsvorträgen von Frau Dr. Karmasin und Dr. Kronbichler wurden in einer Podiums-diskussion weitere praktische und innovative Beispiele aus dem Familientourismus aus Baden-Württemberg und Stockholm vorgestellt. Durch das Programm führte (Fernseh-) Moderatorin Tamina Kallert. Für Stimmung sorgte die Band um Teddy Smith und verschiedene Maskottchen aus dem Familienurlaub in Baden-Württemberg.
"Familienurlaub kommt oft zu bieder daher"
 
 
 
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