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9 Oktober
 
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Förderprogramme für den Schweizer Tourismus

Bundesrat gibt einen wichtigen Impuls zur Weiterentwicklung des Schweizer Tourismus
 
Der Bundesrat hat Mitte 2013 ein Massnahmenpaket zur Weiterentwicklung der bewährten Tourismuspolitik vorgelegt. Ziel ist es, die Tourismuswirtschaft beim Überwinden der bestehenden strukturellen Herausforderungen zu unterstützen. Gleichzeitig sollen die Auswirkungen der Zweitwohnungsinitiative abgefedert werden. Konkret will der Bundesrat die Beherbergungsförderung des Bundes optimieren und den Schweizer Tourismus zeitlich befristet (2016-2019) mit einem Impulsprogramm verstärkt unterstützen.
Entgegen dem österreichischen Modell, wonach die Österreichische Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) primär als Hauptanlauf- und Koordinationsstelle dient, sind die Anlaufstellen in der Schweiz unterschiedlich strukturiert. Was bedeutet dies im Detail und welche Förderprogramme stehen dem Schweizer Tourismus überhaupt zur Verfügung?
„Innotourprojekte zur Begleitung und Abfederung der Zweitwohnungsinitiative.“
Das Förderprogramm Innotour
Innotour soll für die Innovations- und Kooperationsförderung Mittel in der Höhe von 7,5 Millionen Schweizerfranken jährlich erhalten. Für die Vierjahresperiode 2016-2019 resultieren daraus insgesamt 30 Millionen Schweizerfranken. Die zusätzlichen Mittel erlauben es, dass Innotourprojekte zur Begleitung und Abfederung der Zweitwohnungsinitiative sowie zur Impulsverleihung für die Tourismuswirtschaft unterstützend wirken.
Die Innovationsförderung soll dort ansetzen, wo die bedeutendsten Schwächen des touristischen Angebots bestehen. Im Vordergrund steht die Schaffung neuer Geschäftsmöglichkeiten sowie die Verbesserung bestehender Dienstleistungen. Prägendes Merkmal des Tourismus ist die Verknüpfung einzelner Dienstleistungen zu einem Gesamtpaket «Ferien».
Transport, Beherbergung, Verpflegung und Unterhaltung müssen beim Gast ineinander fliessen und ein Gesamtangebot für den Aufenthalt schaffen. Dabei ist es ratsam Kooperationen zu bilden und die Produkte und Angebote gemeinsam auf dem Markt abzusetzen. Weiter gilt es, für bestehende offene Fragen Wissensgrundlagen zu schaffen und dieses Wissen der Branche sowie den Kantonen und Destinationen zur Verfügung zu stellen. Diese sollen in einem Ausbau der Aktivitäten durch das SECO erfolgen. Die gesetzliche Grundlage hierfür bildet das Bundesgesetz über die Förderung von Innovation, Zusammenarbeit und Wissensaufbau.
Artikel 1 der Verordnung 935.221 definiert die Unterstützung wie folgt (Auszug aus der Verordnung): Vorrang bei der Gewährung von Finanzhilfen haben Vorhaben, die mit Innovation, Zusammenarbeit und Wissensaufbau im Schweizer Tourismus die strukturelle Anpassung an die Weltmarktbedingungen beschleunigen. Voraussetzung hierfür sind Projekte, welche die Wettbewerbsfähigkeit stärken, die der Entwicklung oder Einführung neuer Produkte und Vertriebskanälen dienen, die Qualität von Leistungen verbessern und die Aus- und Weiterbildung fördern. Wichtig ist die überbetriebliche Umsetzung mit einer Beteiligung von mindestens zwei Betrieben unterschiedlicher Wirtschaftsklassen.

„Der jährliche Betrag wird von 50 Millionen auf 100 Millionen Schweizerfranken erhöht.“

Neue Regionalpolitik
Im Rahmen des Impulsprogrammes des Bundes ist vorgesehen, die Mittel für die Neue Regionalpolitik (NRP) befristet und zweckgebunden aufzustocken. Konkret soll in der Periode 2016-2019 der durchschnittliche jährliche Betrag für die Darlehensgewährung zur Förderung von Neu-, Ersatz- oder Erneuerungsinvestitionen von 50 Millionen auf 100 Millionen Schweizerfranken erhöht werden. Die Finanzierung dieser zusätzlichen 200 Millionen Schweizerfranken erfolgt prioritär zu Lasten der Liquidität des Fonds für Regionalentwicklung.
Mit der Neuen Regionalpolitik unterstützt der Bund einzelne Regionen der Berggebiete, den ländlichen Raum und die Grenzregionen bei der Bewältigung des Strukturwandels, um die Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und damit einen Beitrag zur Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen in den geförderten Gebieten zu leisten. Die Förderung der grenzüberschreitenden, transnationalen und interregionalen
Zusammenarbeit im Rahmen der Europäischen territorialen Zusammenarbeit (ETZ) ist ebenfalls Teil der NRP. Zuständig für die Umsetzung der NRP ist auf Bundesebene das Ressort Regional- und Raumordnungspolitik des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO).

Schweizerische Gesellschaft für Hotelkredit
Der Bundesrat will zudem auch den finanziellen Spielraum der SGH vergrössern, insbesondere soll das vom Parlament 2011 bewilligte und auf Ende 2015 befristete Zusatzdarlehen von 100 Mio. Franken bis Ende 2019 verlängert werden. Diese vorsorgliche Massnahme soll begünstigen, dass in der Beherbergungswirtschaft weiterhin genügend investiert wird. Die Prüfarbeiten des Bundes weisen jedoch darauf hin, dass zwischen der SGH und der NRP Berührungspunkte und Synergiepotenziale bestehen, welche mittels verbesserter Abstimmung zwischen den beiden Förderinstrumenten zur Optimierung der Effizienz und der Wirkung der
Beherbergungsförderung genutzt werden können. Diese Schnittstelle zwischen der SGH und der NRP – insbesondere in Bezug auf die kombinierte Förderung – soll verbessert und im Zuge dessen auch transparentere Richtlinien ausgearbeitet werden. Wichtig ist dabei, die SGH finanziert nur Betriebe in ländlichen Gegenden.

Kantonale Förderungen
Zudem besteht die Möglichkeit auch über die Kantone in den Genuss von Förderungen zu kommen. Zahlreiche Kantone können solche Beiträge auch an regionale oder betriebliche Konzepte ausrichten. Diese Beiträge müssen mit NRP und Innotour abgestimmt werden.

Europäische territoriale Zusammenarbeit (ETZ)
„Sie dient dem wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt der Gemeinschaft zwischen aneinandergrenzenden Ländern.“
Die Europäische territoriale Zusammenarbeit ist Bestandteil der Kohäsions- und Strukturpolitik der EU. Sie dient dem wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt der Gemeinschaft zwischen aneinandergrenzenden Ländern und ist insbesondere auf die Förderung von Wachstum und Beschäftigung der weniger entwickelten Regionen ausgerichtet. INTERREG, URBACT, ESPON und INTERACT sind Förderprogramme im
Rahmen der ETZ. Die Schweiz beteiligt sich bereits seit 1992 an der ETZ und bildet seit 2008 mit INTERREG und den Programmen der ETZ wichtige Pfeiler der Neuen Regionalpolitik.

Fazit
Bei den vorgeschlagenen Massnahmenpaketen handelt es sich um eine gezielte Weiterentwicklung der bisherigen Tourismuspolitik. Da konkrete Projekte gefördert werden, tragen diese gleichzeitig dem Subsidiaritätsprinzip Rechnung. Projekte können zeitnah und rasch umgesetzt werden, da Kantone und Tourismusakteure die Instrumente bereits kennen. Während bei der SGH nachrangige Darlehen gewährt werden, müssen bei
Innotourprojekten die Projektträger eine Eigenleistung von mindestens 50% nachweisen.
Mit den vorgeschlagenen Massnahmen erhöht der Bundesrat den Anreiz – sowohl für die Branche als auch für die Kantone – die sich aufgrund der Zweitwohnungsinitiative veränderte Situation, durch nachhaltige Wachstumsmodelle zu nutzen.
Der Erfolg der vorgeschlagenen Massnahmen hängt letztlich davon ab, ob das verbesserte Angebot eine entsprechende Nachfrage generiert. Hier sind Tourismusexperten gefragt, die sich mit innovativen und umsetzungsorientierten Projekten an den entsprechender Stelle bewerben.

Quellen:
• Tourismusbericht des Bundes (Juni 2013)
• www.seco.admin.ch
• www.regiosuisse.ch
• www.wbf.admin.ch
• www.swisstourfed.ch
• www.sgh.ch

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Kohl & Partner begleitet viele erfolgreiche Destinationen, Hotel- und Gastronomiebetriebe bei der Umsetzung Ihrer innovativen Projekte. Masterpläne,
touristische Leitbilder, strategische Beratung, Moderationen und Umsetzungsbegleitungen stellen nur einen kleinen Teil unserer Dienstleistungen dar.
 
 
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