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1 Juli
 
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Betriebsübergabe – auch eine Angelegenheit von Destinationen

Familie und Betrieb. Erfolgreiches Team oder Leidensgemeinschaft?
Zu viele Familienbetriebe stehen in einer Zerreißprobe. Interne Blockaden verhindern, dass sie die Kraft entfalten.
 
Eine wesentliche Stärke des österreichischen Tourismus besteht darin, dass engagierte Unternehmerfamilien ihren Betrieb mit vollem Einsatz führen. Aber Familienbetriebe können ihre Kraft nur dann entfalten, wenn sowohl die Regeln des Betriebes als auch die Regeln der Familie bewusst wahrgenommen werden.

Die objektiven Vorteile – gemeinsam im Betrieb an gemeinsamen Zielen für und mit den eigenen Nachkommen/Kindern zu arbeiten – verleiten zu dem Schluss, dass es nichts Harmonischeres, Wünschenswerteres und Erfolgsversprechenderes geben kann als einen Familienbetrieb. In der Praxis zeigt sich aber oft eine andere Wirklichkeit: Nicht das erfolgreiche Team, sondern eine Zweckgemeinschaft von einander abhängigen und sich gegenseitig das Leben schwermachenden Familienmitgliedern versuchen die Erwartung der Gäste zu erfüllen. Dass dies oft trotz eines hohen familien-internen Konfliktpotenzials gelingt, ist eine wahre Meisterleistung.
Wie viel Familie verträgt der Betrieb?
In Familienbetrieben gibt es die strukturelle Koppelung zweier Systeme: des Systems Familie und des Systems Betrieb. Diese Koppelung wird für „normal“ angesehen, obwohl zwei Systeme aufeinander prallen, die ganz unterschiedliche Auffassungen, Aufgaben und Werte haben:
 Die Primäraufgabe der Familie ist die Förderung und Entwicklung von Kindern und der Beziehungen untereinander.
 Die Primäraufgabe von Unternehmen ist die gewinnorientierte Erstellung von Produkten oder Dienstleistungen, um Bedürfnisse von gewissen Kunden zu befriedigen.

Was also für „normal“ angesehen wird, stellt sich als eine komplexe Situation dar, die oft problemfördernd ist bzw. sein kann.

Vorteile und Nachteile von Familienbetrieben
Familienbetriebe weisen gegenüber fremdgeführten Betrieben folgende Vorteile auf:
  • Die Familienmitglieder arbeiten selbst motiviert (gelebte Mitverantwortung).
  • Die einzigartige Möglichkeit der Zusammenarbeit zwischen Familienmitgliedern mehrerer Generationen:
    • Kinder „wachsen“ langsam in den Betrieb hinein – ältere Familienmitglieder langsam hinaus;
    • Der Arbeitsplatz der Eltern ist für die Kinder fast immer erreichbar (dauernde wenigstens „physische“ Präsenz der Eltern);
    • Betriebe werden von Ehepartnern/Familienmitgliedern gemeinsam aufgebaut oder weiterentwickelt – man ist gemeinsam stolz auf das Geleistete.
  • Familienbetriebe bieten gute Möglichkeiten für Frauen, sich als Führungskraft zu entwickeln.


Diesen Vorteilen stehen folgende Nachteile bzw. Probleme in Familienbetrieben gegenüber:
  • Der Betrieb wird oft nicht als Betrieb gesehen, sondern als Vermächtnis, als Lebenswerk. Daraus resultiert oft ein Problem bei der Übergabe: Es wird nicht nur ein Betrieb, sondern die eigene Identität und viel Stolz übertragen.
  • Egozentrische Unternehmensführung 
    • es werden Sachen gemacht, die die Familie für richtig hält – die Sicht des Marktes wird dabei oft zu wenig berücksichtigt 
    • der persönliche Geschmack ist oft wichtiger als das, was der Markt verlangt
  • Die Führungsstruktur ist nicht klar festgelegt und dadurch schwer vermittelbar: Für Mitarbeiter sind Familienbetriebe oft deshalb ein Problem.
  • Die Entlohnung der Familienmitglieder ist auf betriebliche Möglichkeiten ausgerichtet und nicht auf Leistung.
  • Es fehlt der Wille und die Zeit für bewusste und notwendige Aussprachen/ Besprechungen.
  • Familienmitglieder (vor allem Kinder) müssen früh erkennen, dass sie ihre eigenen Interessen gegenüber denen des Betriebes zurückstecken müssen.
  • Für viele Unternehmerfamilien spielt sich das Familienleben auf einer „Bühne“ (vor dem Gast) ab – hier dürfen keine negativen Gefühle gezeigt werden.
  • Zu wenig bewusste Zeit für die Familie und die Partnerschaft: zu viel Betrieb – zu wenig Familie, die Partnerschaft degradiert zur reinen Betriebsverwaltung.
 
 
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